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Luise (aus Altensteig, Schwarzwald) | 2003 | USA / Butte / Montana

Wie alles angefangen hat

Als ich im Sommer 2001 nach Texas flog, wurde mein Interesse für die USA geweckt. Schon bevor ich wieder nach Hause flog, wusste ich, dass ich hier gerne für eine längere Zeit leben würde. Viele Möglichkeiten gab es da ja für eine damals 16jährige nicht, außer einen Schüleraustausch. Allerdings hatte ich noch gar keine Ahnung, was es überhaupt heißt, einen Schüleraustausch zu machen. Ich wusste auch nichts von den organisatorischen Dingen die damit verbunden waren. Als ich wieder zuhause war, beschäftigte ich mich näher mit dem Thema Austauschjahr. Bald wurde mir jedoch bewusst, dass ich nie über eine normale Austauschorganisation in die USA gehen könnte, weil es einfach finanziell nicht möglich für meine Mutter gewesen wäre. Na gut, dachte ich, da muss es auch noch andere Möglichkeiten geben! Meine Patentante versuchte die ganze Zeit, mir eine Gastfamilie in ihrer Nähe zu suchen, leider erfolglos. Als ich fast keine Hoffnung mehr hatte, erfuhr ich von einem Jungen in Butte, Montana (die Partnerstadt meiner Stadt), der gerne für eine längere Zeit nach Deutschland kommen würde. Bald stand dann fest, dass er für 4 Monate in meine Familie kommen würde und ich für 7 Monate in seine Familie gehen würde. Diese Zeit war sehr aufregend für mich, dass kann sich sicher jeder vorstellen.

Meine Gastfamilie

Meine Gastfamilie besteht aus meinen Gasteltern, Jeff und Peggy, meinem Gastbruder Chuck und meiner Gastschwester Sarah, Bruiser und Lexie, den Hunden, fat Rosie, dem Hasen und ein paar Fischen. Und dann war da noch Jörg, der andere Deutsche. Wahrscheinlich die beste Gastfamilie die man sich vorstellen kann! Eine Gastfamilie wie aus einem Bilderbuch. Sie haben mich von Anfang an herzlich aufgenommen, auch wenn es manchmal kleinere Probleme gab, welche aber durchaus normal sind.

Die Vorbereitung

Jetzt hatte ich also schon meine Gastfamilie, jetzt brauchte ich nur noch irgendeine Organisation für den Schüleraustausch, die es mir möglich machen würde, billig einen Austausch durchzuführen. Da bot sich GAPP (german-american partnership programm)an, mit denen auch meine Schule Austausche nach Amerika macht. Bei GAPP musste ich nur einen Organisationspreis von $350, den Flug, Versicherungen und natürlich das Taschengeld zahlen. Viel Hilfe bekam ich von der zuständigen Lehrerin meiner Schule nicht, deshalb hab ich die ganze Zettelwirtschaft alleine erfolgreich erledigt.

Meine erste Woche

Deutschland trauerte ich nicht hinterher, nein, zu sehr reizte mich der Gedanke an mein Abendteuer Austausch. Den ganzen Flug gingen mir tausend Fragen durch den Kopf, werde ich mich zurecht finden? Werde ich alle verstehen? Werden sie mich mögen? Werde ich sie mögen? Der Gang vom Flugzeug bis zu dem Platz, wo meine Gastfamilie stand, schien mir unendlich lang zu sein. Nach einer herzlichen Begrüßung sind wir zu meinem neuen Zuhause gefahren. Da es schon fast Mitternacht war, bin ich ganz schnell ins Bett gegangen. In den nächsten Tagen wurden mir tausende von Leuten vorgestellt, deren Namen ich mir sowieso nicht merken konnte. Die ersten Tage in der Schule waren sehr aufregend. Ich änderte meinen Stundenplan, da ich mit meiner Matheklasse vom Stoff her nicht mitkam. Dass ich mich in der Schule verlief, kam mehr als ein Mal vor. Aber Amerikaner sind ja bekannt für ihre Hilfsbereitschaft und so wurde ich dann immer zum richtigen Klassenzimmer gebracht.

Freunde

Freunde zu finden war in meinem Fall nicht ganz so einfach, da ich von GAPP aus an keinen Sportveranstaltungen mitmachen durfte. Doch da ich nie ein Problem hatte, neue Leute anzusprechen oder auf sie zuzugehen, fand ich auch so meine Freunde. Mit einem meiner Freunde bin ich zur Prom (der Abschlusstanz) gegangen, das war ein toller Abend. Besonders schön war es, als ich merkte, dass nicht nur mir etwas an der Freundschaft liegt, sondern auch den anderen. Das zeigte sich, als sie auch mal von alleine anriefen oder einfach vorbei kamen.

Mein tägliches Leben

Mein Leben bestand in Butte fast nur aus Schule. Neben und in der Schule machte ich außerdem viel Musik, spielte im Symphonie Orchester (in dem fast nur studierte Musiker waren und ich mir manchmal leicht blöd vorkam, weil ich denen ja noch lange nicht das Wasser reichen konnte) und in einem Musical (The hobbit). Mit meiner Gastfamilie habe ich auch ziemlich viel unternommen (nur leider nie in Butte an sich).

Probleme während meines Austausches

Ich glaube nicht, dass jemand ein perfektes Jahr haben kann. Gerade die Hochs und Tiefs machen das Jahr so besonders. Man wächst unheimlich an ihnen. In meiner Familie hat zeitgleich noch ein anderer Deutscher gelebt (der auch noch auf meiner deutschen Schule ist), mir kam es anfangs immer so vor, als würden wir ein wer ist beliebter-Kampf führen, und so wie es zuerst aussah, schien er ihn zu gewinnen, weil er innerhalb der Familie schlecht über mich geredet hat. Dann hatte ich hier und da Probleme mit dem Essen, daraus folgte dann, dass ich etwa acht Kilo innerhalb 2-3 Monaten abnahm, was sehr untypisch für mich war bzw. ist. Das waren die zwei größten Schwierigkeiten. Man muss sich nur vor Augen halten: Für jedes Problem gibt es ganz sicher eine Lösung! Und ganz ohne Probleme wäre das Leben ja langweilig!

Das Ende

Die letzten Monate meines Austauschs erlebte ich sehr intensiv, umso schwerer war dann der Abschied. Ich hatte zwar fest vor, zu Weihnachten wieder zu kommen, aber sicher war das ja noch nicht. Und außerdem bin ich doch noch nie für so lange von meiner geliebten Gastfamilie weg gewesen! Verlängern wäre für mich nicht in Frage gekommen, da ich von Anfang an gesagt habe, mein Austausch geht vom 1.Februar 2003 bis zum 30./31.August 2003. Es wird ein Lebensabschnitt von mir sein, der irgendwann angefangen hat aber genauso irgendwann aufhören wird. Ich glaube, wenn man das im Hinterkopf behält, dann fällt es einem nicht ganz so schwer, sich damit abzufinden, bald heimgehen zu müssen und dann trauert man vielleicht nicht ganz so sehr seinem Austausch(jahr) hinterher.

Last but not least

Ich habe versucht, zwischenmenschliche Beziehungen aus meinem Bericht rauszulassen, einfach weil ich denke, dass manche Sachen nicht jeder wissen muss. Natürlich bin ich dazu bereit, euch jegliche Fragen auch zu meiner Person und meinen zwischenmenschlichen Beziehungen zu beantworten. Schreibt mir einfach eine E-Mail!

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