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(2.4)

Unsere Tochter hatte für 2019/2020 ein Schuljahr in England geplant und wir haben uns aufgrund der hervorragenden Rezensionen für Global Youth Group (GYG) entschieden. Leider können wir uns den guten Bewertungen rückblickend nicht anschließen. Die familiär betriebene Organisation wirkte auf uns oft sehr chaotisch. Dies zeigte sich zum Beispiel bei diversen Anfragen oder auch gleich zu Beginn beim Vorbereitungscamp. Nachfolgend nur einige Beispiele:

Im Vertrag stand statt der von uns ausgewählten Schule (School Select) eine andere, obwohl wir diese vorher ausdrücklich ausgeschlossen hatten. Auch dies musste aufgrund von unserem Hinweis nachträglich geändert werden.

Im Vorstellungsgespräch wurde uns mitgeteilt, dass das Placement (Zuteilung einer Gastfamilie) voraussichtlich im April/Mai erfolgt. Als wir zu diesem Zeitpunkt immer noch keine Gastfamilie hatten, wurde uns gesagt, dass im Vertrag mit dem Partner ein Termin im August festgelegt wurde und vorher auch nicht nachgefragt werden kann. Letztlich erhielt unsere Tochter dann immerhin schon Mitte Juni ihr Placement.

Die „Gastfamilie“ unserer knapp 15-jährigen Tochter bestand aus einer Gastmutter mit einer erwachsenen Tochter. Beide hatten mehrere Jobs und insgesamt nur etwa zwei Tage im Monat frei, an denen sie wiederum meist privat unterwegs waren. Für unsere Tochter hatten sie somit leider so gut wie keine Zeit. Bereits bei der Ankunft unserer Tochter, an einem Freitagabend, musste sie zunächst mit zur Betreuerin nach Hause fahren, weil die Gastmutter noch bei der Arbeit war, obwohl der Termin bereits Monate zuvor bekannt war. An den beiden darauffolgenden Tagen, war unsere Tochter - trotz Wochenende - ebenfalls sich selbst überlassen, weil ihre Gastmutter arbeiten musste. Dies setzte sich die gesamte Zeit über so fort. Auch an ihrem 15. Geburtstag - ein Sonntag, gut drei Wochen nach ihrer Anreise - war niemand für unsere Tochter da. Gemeinsame Unternehmungen gab es während dem gesamten Aufenthalt von insgesamt knapp sieben Monaten so gut wie gar nicht … abgesehen von regelmäßigen Spaziergängen mit dem Hund und einigen Fernsehabenden. Unsere Tochter verbrachte daher viel Zeit allein außerhalb und es interessierte sich auch niemand dafür, was sie machte.
In ihrem ca. 4 m² Zimmer gab es außerdem nur ein durchgelegenes Bett (wodurch die Spiralen trotz zusätzlichen Decken zu spüren waren), einen Stuhl und Tisch (unter dem sich diverse Schubladen befanden, so dass man die Beine nicht darunter ausstrecken konnte), eine Kleiderstange mit wenigen Kleiderbügeln sowie eine große Mülltüte neben ihrem Bett. Es waren weder Schrank noch Regal vorhanden und viel zu wenig Platz, um den Inhalt der Reisetasche überhaupt zu verstauen. Dies sei aber nur am Rande erwähnt, da die englischen Standards nicht mit den deutschen vergleichbar sind.

Leider fiel der Auslandsaufenthalt mitten in die weltweite Corona-Krise und die Verunsicherung war groß, ob und wie es aufgrund dessen weitergehen soll. Seitens der Organisation gab es hierzu praktisch keine Informationen. Während andere Organisationen bereits Rückholaktionen starteten, hat GYG weiterhin vertröstet und die Ängste der Eltern scheinbar nicht ernst genommen. Stattdessen erfolgte der Hinweis seitens GYG, es handele sich um eine Ausnahmesituation, man gehe davon aus, dass alle Programme mit einer kleinen Schulpause normal beendet werden können und in den nächsten Tagen gehe eine Rundmail raus (diese ist jedoch nie bei uns eingetroffen). In der Zwischenzeit haben wir und auch viele andere Eltern eine Rückreise unserer Kinder auf eigene Kosten privat organisiert. Daraufhin mussten wir eine Erklärung unterschreiben, dass wir das Programm auf eigenen Wunsch, ohne Möglichkeit auf Rückkehr, verlassen.

In unserer anschließenden Mail an GYG wurde nur knapp auf unsere Bitte nach einer Bestätigung für den Auslandsaufenthalt reagiert, wogegen die Frage komplett ignoriert wurde, ob möglicherweise Anspruch auf anteilige Erstattung für die nicht in Anspruch genommenen Leistungen der folgenden Monate besteht (schade, selbst ein einfaches „Nein“ wäre besser gewesen als gar keine Reaktion).

Nachdem wir von der englischen Partnerorganisation erfahren hatten, dass von deren Seite eine Rückerstattung in Höhe von ca. 500 Euro erfolgt, haben wir GYG mehrfach damit konfrontiert und um Überweisung des entsprechenden Betrages gebeten und etwa 15 Wochen nach Abbruch des Programms den entsprechenden Betrag auf unserem Konto gehabt.

Die Reaktionszeit auf unsere Nachfragen an GYG war bereits „vor Corona“ sehr wechselhaft und reichte von „wenigen Minuten“ bis hin zu „10 Tagen und trotz Erinnerungen immer noch keine Antwort“.
Aus diesem Grund würden wir unser Kind nicht noch einmal bei dieser Organisation anmelden.

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