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Maike (aus Langwedel) | 2003/2004 | USA / Michigan / Ubly

Und so fing alles an

Es war irgendwann Ende Oktober 2002, als ich an einem gemütlichen Sonntagnachmittag gelangweilt in der Oktoberausgabe der Pferdefachzeitschrift „Cavallo“ blätterte. Da es keine interessanten Artikel mehr gab, die ich noch nicht gelesen hatte, guckte ich mich einfach mal in den Werbe- und Anzeigenseiten um, man muss ja auch immer auf dem Laufenden bleiben, dachte ich mir. Also überflog ich gähnend die verschiedenen Angebote und blieb kurz an der Anzeige „USA - Highschool Jahr und Reiten“ hängen. Ich weiß noch, wie ich dachte „klingt gut“ und dann aber weiter blätterte. Ich glaube, es war ungefähr drei Seiten später, als ich aufblickte und meinte: „Moment, stand da gerade USA???“ REIß, BLÄTTER, ZERR - schnell noch mal lesen: USA-Highschool Jahr und Reiten Bist du Schüler/in zwischen 14 und 18 und hast Lust, 5 oder 10 Monate in den USA in die Highschool zu gehen und bei einer Gastfamilie mit Pferden zu leben? Wir garantieren Unterbringung bei Familien mit Pferden! Aufnahme als Gastkind, nicht als Pferdepfleger! Infos bei Taste.....usw.

Soll ich oder soll ich nicht?

USA fand ich irgendwie schon immer toll, alles was ich darüber gelesen hatte oder an Bildern gesehen hatte, hat mich fasziniert. Aber auf die Idee, für ein paar Monate dort zur Schule zu gehen, war ich noch nie gekommen. Man muss echt verrückt sein, wenn man das macht, habe ich gedacht, aber für ein halbes Jahr andere Pferde und Reitweisen kennen zu lernen, muss ja spannend sein! Nur leider sind zwar die Pferde auf der ganzen Welt vom Charakter her dieselben, die sprechen alle dieselbe Sprache, aber man wird sich wohl kaum 24 Stunden am Tag mit Pferden beschäftigen. Die vielen fremden Leute, die fremde Kultur und erst dieses verrückte Englisch, oh Gott, das wäre doch eine Katastrophe!!! Kurz stellte ich mir vor, wie ich bei einer typisch amerikanischen Familie sitzen würde und mich mit ihnen über Pferde unterhalte. Schon war der ganze Zweifel wie weggeblasen. Wieder einmal waren es die Vierbeiner, die mich auf eine verrückte Idee brachten und vielleicht sogar mein Leben veränderten. Zeitschrift gegriffen, hoch zum Computer gerannt, angeschaltet und schnell auf die Homepage von der Organisation TASTE gesurft. Bis jetzt hatte ich nicht viel von einem Schüleraustausch gehört. Eine Nachbarin war ein Jahr in Ecuador gewesen, aber davon hörte ich auch nicht all zu viel und eigentlich habe ich mich für so etwas auch nie sonderlich interessiert. Ich hatte am Anfang überhaupt keinen Plan, wie so ein Austausch abläuft. Ich wusste nicht mal, das es Organisationen gibt, oder das man bei einer Gastfamilie wohnt, dass das mehr Leute machen, als ich bis jetzt gedacht habe und so weiter. Kurz: Ich wusste gar nichts!!! Aber das kann man ja bekanntlich ändern. Ich sah mich also erst mal gründlich auf der Homepage um und druckte dann auch gleich mal großzügig alle aus was ich vor Augen bekam. Erfahrungsberichten, Adressen, Infos über die USA, Fotos, und und und. Natürlich bestellte ich mir auch gleich das kostenlose Infoheft. Schließlich beschwerte sich der Drucker, er habe keine Lust mehr, und da ich eh schon viel mehr Papier hatte, als ich hätte tragen können (ok, man wird ja wohl mal übertreiben dürfen), machte ich mich auf den Weg zurück in mein Zimmer und fing an, Erfahrungsberichte zu lesen. Das habe ich dann auch den ganzen restlichen Nachmittag lang gemacht und ich glaube, jetzt war der Zeitpunkt, als ich dachte: Ok, das kann ich auch!!! Ich war fest entschlossen, für ein Jahr Schüleraustausch in die USA zu gehen.

Und so ging es dann weiter

Ich dachte etwa eine Woche darüber nach und erwähnte dann (es war mal wieder an einem laaaaaangweiligen Sonntagnachmittag) ganz nebenbei beim Essen, dass so ein Schüleraustausch doch gar nicht schlecht wäre. Meine Eltern waren auch irgendwie gleich dafür (fragt mich nicht warum, Millionäre sind wir ja schließlich auch nicht, aber vielleicht wollten sie mich ja auch einfach nur schnell loswerden g). Also surfte ich noch mal zu schueleraustausch.de und bestellte mir das Buch „Ein Schuljahr in den USA 03/04“ von Christian Gundlach und Sylvia Schill. In diesem Buch erfuhr ich so ziemlich alles, was man an allgemeinen Sachen wissen musste, wie z.B. Bewerbung und Vorbereitung, nötige Voraussetzungen, Kosten, gute und schlechte Seiten des Jahres, amerikanische Kultur, Kirche usw., richtige Wahl der Organisation, Gastfamilienwechsel, Gesetze und alles was man so wissen sollte... Außerdem stehen da alle anerkannten Organisationen drin, so geordnet, das man alles was man zu einer Org. wissen sollte aufgelistet sieht.

Auswahl der Organisation

Da ich noch überhaupt keinen Plan hatte, welche Organisationen denn gut sind und welche nicht, ließ ich mir von jeder, die im Buch stand, Infosachen zuschicken. So hatte unser Postbote erst mal gründlich zu tun (wenn er wegen mir gekündigt haben sollte, so tut mir das sehr leid ;-), denn jeden Tag kamen erst mal bis zu zwölf Hefte. Das war allerdings ein Fehler (jetzt nicht nur wegen dem armen Postboten), denn egal welches Heft ich in die Hand nahm, in jedem stand so ziemlich das Selbe. Das schönste Jahr deines Lebens (so oder ähnlich) hieß es in jedem Heft, toll, da kommt man auch nicht viel weiter. So ließ ich die ganzen Hefte erst mal einen Monat liegen und fragte mich durchs Leben. Was sollte ein gute Org. ausmachen? Worauf soll ich achten? Ich fragte in jedem Forum, das ich im Internet fand, las mich durch Bücher und Homepages und stellte dann erst mal eine Liste auf, was DIE Org. doch haben sollte:

Selbständige Organisation vor Annahme Interview mit Schüler Vorbereitungstreffen Seminar (fand ich aber nicht so wichtig) Flugbegleitung (wenn man in Chicago über einen Meilenweiten Flughafen geht, fühlt man sich schon mal schnell verloren) Nachbereitungstreffen Flüge und Versicherung im Preis enthalten Vorbereitungstreffen der Gastfamilien Besuche und Treffen mit dem Area Rep Flug erst nach Platzierung Das war schon sehr hilfreich. Also machte ich verschiedene Stapel, einen mit schlecht (da war schon die Hälfte bei, was aber nicht heißt das diese Orgs. schlecht sind, das ging ja auch nur nach meinen persönlichen Kriterien), gut und sehr gut. Unter sehr gut waren bei mir: GIJK, CDC, EC.SE, Treff, Taste, IST. Danach fragte ich im Forum (schueleraustausch.de) wer schon gute bzw. schlechte Erfahrungen mit diesen Orgs. gemacht hatte und schrieb auch noch an jede Org. eine Mail, faxte oder telefonierte. Am Ende entschied ich mich dann für die Organisationen GIJK, CDC und EC.SE, weil sie bei mir den besten Eindruck gemacht hatten. Nur bei EC.SE war ich mir nicht ganz sicher, weil sie gerade erst neu war und so vielleicht noch nicht so viele Erfahrungen gemacht hat. Es ging mir auch nicht mehr wie am Anfang um Pferde, deshalb nahm ich auch nicht Taste, wo ich die Möglichkeit gehabt hätte, bei einer „Pferdefamilie“ zu wohnen.

Die Bewerbungsphase

Inzwischen war es schon Dezember und zwischen all den Arbeiten, die in der Schule ja noch „unbedingt“ vor den Ferien geschrieben werden mussten, sollte ich nun also noch meine Bewerbung für die Austauschorganisation schreiben. Da war einmal das Formular, welches ausgefüllt werden musste. Da schrieb man nur allgemeine Angaben rein, wie Name der Schule, Zeugnisdurchschnitt, Adresse usw. Dann mussten die Zeugnisse der letzten Jahre kopiert und Passfotos hinzugefügt werden. Am schlimmsten fand ich aber die Kurzbeschreibung von mir selber (die zum Glück noch auf Deutsch gemacht werden durfte). Ich sollte mich kurz vorstellen, meinen Charakter beschreiben, Hobbys auflisten, erzählen, warum ich einen Austausch machen möchte und warum gerade USA. Eigentlich nicht schwer, aber ich brauchte dafür knapp einen Monat (ja, ja, ich schäme mich ja!!!). Zum Glück hat mir meine beste Freundin Tine bei dem Ganzen ein wenig geholfen. Ich klebte auch noch ein paar Fotos dazu, z.B. von meiner Familie und so weiter. Das wahr zwar nicht erforderlich, machte aber einen besseren Eindruck, wie ich später bei einem Telefongespräch mit dem EC.SE- Geschäftsführer feststellte, den das ganze ja furchtbar beeindruckt hatte. Anfang Januar brauchte das Ganze dann nur noch von meinen Eltern unterschrieben werden und ab ging die Post (3.1.03 verschickt an GIJK, CDC und EC.SE). In den nächsten Tagen schleppte ich unser Telefon überall mit hin, ich wollte ja keinen Anruf verpassen. Am Montag, also drei Tage später, kam dann der erste Anruf von EC.SE. Man lud mich zu einem Vorstellungsgespräch ein und fragte mich noch einmal grob, warum ich gerade in die USA wollte. Der Termin fürs Gespräch (beim Schüleraustausch auch Interview genannt) sollte ca. eine Woche später in Bremen stattfinden, in einem Café, was mich zunächst etwas verwirrte, aber wie ich später durch die netten Leute im Forum feststellte, läuft das meistens so ab. Später kamen auch noch ein Anruf von CDC und ein Brief von der GIJK, in dem stand, dass man mich bald anruft, oder dass ich mich melden sollte. Was ich dann auch tat und einen Termin für ein Vorstellungsgespräch in Hannover bekam. Irgendwie hatte ich am meisten auf die Einladung von GIJK gehofft, da ich bei dieser Organisation einfach das beste Gefühl hatte. Aber wie man sieht, bin ich ja auch dort gelandet, doch dazu später.

Mein Vorstellungsgespräch (Interview) bei GIJK

Da ich zuerst gar nicht wusste, was da auf mich zukam, durchlöcherte ich also erst mal die Forum-Leute, die mir auch hier sehr geholfen haben. Ich fragte, wie so ein Interview eigentlich abläuft, was für Fragen gestellt werden und so weiter. Ich bemerkte bald, dass das bei jeder Organisation anders ist. Also fragte ich nur noch GIJK-Leute, die mir auch einige nützliche Tipps gaben. Vicky, die ich ebenfalls aus dem Forum kenne, erzählte mir welche Fragen sie bei ihrem Gespräch beantworten musste, so konnte ich mich schon mal darauf einstellen. Ich schrieb mir einige Fragen auf Englisch auf und übte auch schon englische Antworten. Natürlich nur grob, denn es soll später ja nicht auswendig gelernt aussehen. Dazu lernte ich ein paar Vokabeln, die ich mit Sicherheit gebrauchen könnte. Dann war es so weit, wir fuhren nach Hannover, das Interview sollte bei einer Frau zu Hause stattfinden. Als wir ankamen war ich schon etwas nervös, was aber wohl normal ist. Meine Eltern wurden auch gleich wieder rausgeschmissen, denn die erste Stunde wollte sie nur mit mir reden, was ja auch ziemlich logisch ist. Sie war total nett, bot mir gleich etwas zu trinken an und wir setzten uns gemütlich auf die Couch. Und es ging auch gleich los, alles fragte sie auf Englisch. Ich hatte es mir aber schlimmer vorgestellt, als es war. Ich musste irgendwie nie lange überlegen was ich sagen wollte und mir fielen englische Wörter ein, von denen ich nicht mal wusste, dass ich die je gelernt hatte. Und selbst, wenn ich mal gar nicht wusste was ich auf etwas antworten sollte, half sie mir, wo sie konnte. Wenn ich etwas überhaupt nicht auf Englisch erklären konnte, durfte ich es auch auf Deutsch sagen. Insgesamt fand ich das Gespräch eher locker und lustig, vielleicht wie mit einer Freundin, jedenfalls hatte ich nicht das Gefühl, als wollte sie mich prüfen oder so.

Die Hauptfragen im Vorstellungsgespräch

Fragen waren u.a.: Ob es meine Idee war einen Schüleraustausch zu machen; warum ich das machen möchte; wie ich darauf gekommen bin; warum gerade USA; warum ich denke, ich wäre geeignet; Hobbys, Interessen, Familie beschreiben; ob ich mit meinen Geschwistern klar komme und was wir zusammen unternehmen; was ich an der Schule mag bzw. nicht mag; meine Lieblingsfächer; meine Freunde beschreiben (in drei Adjektiven); meinen Charakter beschreiben, was ich zu Hause bei Problemen mache; was ich dort bei Problemen machen würde (Beispiele nennen); was mich an anderen stört; wie ich über Drogen denke; wie ich über Gruppenzwang denke; wie ich versuchen würde, Freunde zu finden; was ich dort an Hobbys machen möchte; ob ich mir vorstellen kann, dort andere Interessen zu entwickeln - wenn ja, welche; was ich nach dem ATJ machen möchte; was ich als Beruf machen möchte; wie ich mir meine Familie dort vorstelle; ob ich viel mit ihnen unternehmen will; wenn ja, was genau; was ich bevorzuge: Familie mit oder ohne Kindern, kleine oder große Kinder, alte oder junge Eltern, allein erziehend oder Elternpaar, Tiere, auch andere Gastschüler, eigenes Zimmer oder zum Teilen, public oder private school; was ich bei Heimweh machen würde; was ich denke, was das größte und das kleinste Problem werden wird; ob ich zur Kirche gehe; ob ich dort gehen will; wie ich darüber denke, bei „Andersgläubigen“ zu leben; ob ich dort Sport machen möchte, was für mich tolerant heißt; ob ich Kontakt zu anderen Austauschschülern habe; ob ich schon im Ausland/USA war; ob ich schon Kontakt zu Ausländern hatte (z.B. Brieffreundschaft).

Die Stunde verging ziemlich schnell und wir waren gerade fertig, als meine Eltern auch schon zurückkamen. Wir setzten uns noch mal alle zusammen und die Frau erzählte uns, was sie von mir denkt. Sie sagte, dass ich geeignet wäre und dass ich mit meinem Englisch keine Probleme haben werde (das hört man doch gerne g). Dann konnten wir auch noch jede Menge Fragen stellen. Sie musste dann später wohl so etwas wie einen Bericht über mich schreiben und Formulare ausfüllen und das Ganze an die GIJK schicken. Auf jeden Fall war ich schon sehr gespannt was dabei heraus gekommen war.

Ich bin angenommen!!!

Fünf Tage später, am 17.1.03, war dann die Zusage im Briefkasten: Ich war angenommen

yeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah

und freute mich riesig. Das Interview bei EC.SE hatte ich übrigens abgesagt und bei CDC kam ein Mann zu uns nach Hause und es lief ähnlich ab. Von CDC war ich auch angenommen, aber ich entschied mich schnell für GIJK und innerhalb einer Woche war der Vertrag unterschrieben auf dem Weg nach Bonn, der Hauptstelle der GIJK. Ich hatte nun etwas mehr als einen Monat Zeit, um die Anmeldungsmappe fertig zu machen, die dann später in die USA geschickt wird. Darunter war auch ein Formular für den Arzt, darum machten wir auch schnell einen Termin dafür, denn ich brauchte noch einige Impfungen. Und da man die ja nicht alle auf einmal bekommt, kann das also manchmal etwas länger dauern. Außerdem musste noch meine Blutgruppe ermittelt werden. Allein das dauerte eine Woche und die Untersuchung kostete uns immerhin 60 €. Meine Englischlehrerin musste auch ein Formular ausfüllen, in dem es um meine Englischkenntnisse sowie Charakter und Schulverhalten ging. Dazu kam auch noch ein Brief von mir an die zukünftige Gastfamilie. Daran habe ich ganz schön lange gesessen, aber mein Vater hat mir zum Glück etwas an der Übersetzung geholfen. Am Ende war die Mappe ganz schön dick und es dauerte ziemlich lange, bis alles erledigt und ausgefüllt war. Ich hätte gedacht, das wir viel früher damit fertig sind, deshalb kann ich nur jedem raten, SOFORT damit anzufangen!!! Am 25.2.03 habe ich die Mappe zur Post gebracht.

Die Formalitäten

Was ich ausfüllen (lassen) musste: Normale Bewerbung mit Daten wie Name, Alter, Religion, Eltern, Schule u.s.w. und 10 Passfotos anheften; Englischlehrer-Formular; Abschrift der Zeugnisse der letzten vier Jahre; Formular für Arzt; Elternbrief; Schülerbrief; Fragebogen (Fragen wie: beschreibe deinen Ort, was machst du mit deiner Familie, beschreibe deine beste Freundin, wie gehst du mit Gruppenzwang um, worauf bist du stolz); Fotoseiten (habe eine ganze Mappe, mit Fotos von Familie, Freunden und mir gemacht und dazu schön beschriftet); Medizinische Vollmacht unterschreiben; Programmregeln unterschreiben So, das war's auch erst mal, war ja auch schon ziemlich viel für den Anfang. Weiter geht's dann nach meinem Vorbereitungstreffen am 14. Juni in Hannover.

Viele Grüße, Maike

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