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(1.4)

Unsere Tochter absolvierte ein Schuljahr 2025/26 in Irland (Galway, CMMG, 5th year)
Positives:
Der Kontakt zu Kulturwerke hier in Deutschland war durch eine Whatsapp-gruppe, die schon ab Vertragsunterzeichnung ca. 1 Jahr vor der Fahrt eröffnet wurde, gut. Egal, wann man sie kontaktierte, eine Antwort gab es immer innerhalb der nächsten 2 – 24h.
Auch nach den jeweiligen Feedbackgesprächen zwischen unserer Tochter und dem Kulturwerke-Team in Deutschland kam sehr schnell eine ausführliche Zusammenfassung an uns Eltern.

Negatives:
Zur Vertragsunterzeichnung im Sommer 2024 wurde uns versichert, dass innerhalb des Jahres eine PASSENDE Familie gefunden wird. Deshalb war es angeblich sooo wichtig, dass unsere Tochter ihre Interessen, Essensgewohnheiten, Hobbies etc. genaustens mitteilte, um ein perfektes Match zu finden. (Der Ort und die Schule waren uns egal, wir hatten da keine Präferenzen). Ende Winter 25 konnte noch keine genaue Familie und auch kein Ort genannt werden. OK, denkt man, dann haben sie die passende Familie eben noch nicht gefunden, kein Problem.
Erst am 04.06.25 bekamen wir die Ankunftsdaten für das Soft landing Camp in Dublin. Noch keine Familie und noch kein Ort, wo es anschließend hingeht. Ok, so konnten wir wenigstens den Hinflug buchen.
Irgendwann Anfang Juli dann endlich die Familie und der Ort. Das ist ja schon aufregend und unsere Tochter versuchte per E-Mail und Telefon mal Kontakt dorthin aufzunehmen. Aber nix passierte, sie bekam von dieser Familie nur mal kurz ne Nachricht, dass sie gerade im Urlaub sind, aber keinen weiteren Kontakt. Das war wirklich sehr frustrierend, sie fühlte sich nicht gerade willkommen. Auch als wir feststellen mussten, dass vor Ort eine andere Organisation für die dortigen Angelegenheiten zuständig ist, war das erstmal ernüchternd für uns. Dort bekam man nämlich auch keine Antworten, warum sich die Familie nicht meldet. Als es dann nur noch ca. 14 Tage vor Abflug war und wir immer noch nichts von der Familie gehört hatten, baten wir mit ziemlichem Nachdruck, dass sich Kulturwerke doch bitte um eine andere Familie kümmern solle, scheinbar wollten die keine Schülerin mehr haben. Ok, dann präsentierte man uns ca. 1 Woche vorher eine Familie ca. 1,5h von Galway entfernt. Besser als nix, sagten wir uns und wenigsten ein Mini-Zoommeeting konnte man mit denen (nur der Mutter) machen und einige Fragen klären. Letztendlich haben wir da festgestellt, dass die nicht einmal wussten, dass unsere Tochter vegan ist und welche Interessen sie hat. Wir beschwichtigten aber, dass unsere Tochter sich auch vieles allein zubereiten kann und das kein Problem für sie darstellt. Die Mutter sagte ok, Thema abgehakt. Das das später noch zu Problemen führen würde, war nicht absehbar.
Übrigens sollten wir noch einen Aufschlag für „Vegan“ bezahlen. Dagegen haben wir uns allerdings gewehrt, da eine vegane Ernährung in keinster Weise teurer ist. Im Nachhinein hätten wir uns auch arg geärgert, da das Essen echt mies war und ein erhöhter Preis nicht gerechtfertigt gewesen wäre.
Am 1.September war es dann soweit. 1. Schultag, nachdem man erst abends spät aus Dublin angereist war, schlechte Planung der Organisation dort. Der Schulbus von dort fuhr 1x am Tag hin und 1x zurück. Alle anderen Busse hätte sie teuer bezahlen müssen. Unsere Tochter hat sich schließlich allein um eine Schüler-Buskarte bemüht, da NIEMAND, weder die Familie noch die dortige Organisation dies tat oder sie wenigstens über die Möglichkeiten vor Ort informiert hätte. Da sind wir echt stolz auf sie, wie sie die ganzen organisatorischen Dinge gemeistert hat.
Ihr Zimmer in dieser Familie war eine Zumutung, ein Doppelstockbett, in dem man nur liegen, sich also nicht einmal hineinsetzen bzw. sich hinfleetzen konnte. Dann gab es noch einen Minitisch, gerade so groß wie ihr Laptop, eine Solarlampe, die man in manchen Restaurants gern als Tischbeleuchtung nutzt (zum Lesen unzumutbar) und einen HOCKER ohne Lehne, also alles „super gemütlich“, um dort ein ganzes Schuljahr zu verbringen, seine Hausaufgaben zu machen und die Freizeit zu genießen. Letztendlich haben wir ihr eine vernünftige Lampe geschickt. In unseren Augen, hat sich Niemand von Kulturwerke je die Mühe gemacht sich die Wohnungen der Gastfamilien anzuschauen, geschweige denn die Interessen der Familien mit denen der Schüler abzugleichen. Es geht schlicht und einfach nur um Kohle machen mit den Schülern.
Familienleben fand dort, gelinde gesagt, nicht statt, weder gemeinsames Essen, noch gemeinsame Familiennachmittage, - abende. Die Küche durfte sie und ihre spanische Gastschwester (Mitaustauschschülerin) natürlich doch nicht benutzen und zu Essen gab es nur trockene Kartoffeln, Nudeln oder Reis, ungewürztes Gemüse aus der Dose und weißes Toastbrot. Weder Salat, noch andere etwas gesündere Speisen wurden angeboten. Teilweise war sie echt hungrig und hätte sich gern mal was selbst gekocht oder gebacken.
Dann wurde uns Mitte September mitgeteilt, dass die Familie in den Oktoberferien in den Urlaub fahren würde und auch Weihnachten die Familie wegfliegt und sie dann nach Hause oder in eine andere Gastfamilie umziehen müsse. Kulturwerke hatte uns bei den Vorbereitungskursen immer gesagt, dass die Schüler doch unbedingt in dieser Zeit dort bleiben sollten, um die Kultur des Landes mitzuerleben. Ja, das wollte sie ja auch und dann wird einem von denen so etwas vorgeschlagen. Unglaublich.
Somit musste sie also in den Oktoberferien zu einer anderen Familie. Wie das Schicksal es wollte, war es tatsächlich die Familie, die sie als erstes hätte bekommen sollen, die sich nie gemeldet hatten. Wenigstens gab es da ein normales Bett, einen größeren Schreibtisch und auch einen Stuhl mit Lehne. Somit etwas mehr Komfort. Am Ende der 2 Wochen hat sie sich dann den Mut gefasst und gefragt, ob sie dort bleiben kann. Das wurde ihr dann letztendlich auch genehmigt. Allerdings war dann natürlich die Mutter der ersten Familie beleidigt darüber und hat nicht mehr mit unserer Tochter gesprochen. Ja, klar es fehlte ja dann wahrscheinlich die Einnahme aus der „Zimmervermietung“. Somit hatte der Umzug 3 Vorteile: besseres Zimmer, Küchenbenutzung und nur noch 30 Min. Busfahrt zur Schule.
Aber auch in dieser Familie gab es kein Familienleben, weder gemeinsames Essen oder gemeinsames Beieinandersitzen und quatschen. Die Familie saß entweder nur vorm Fernseher oder sie waren einfach nicht da. Niemand interessierte sich nur im Geringsten an unserer Tochter, quasi wieder nur eine „AirBnB-Unterkunft“ ohne Familienanschluss.
Also hat unsere Tochter ihre Zeit so gut es ging selbst verplant. Dafür war es gut, dass sie in der Schule einige sehr tolle Freunde fand (vorrangig aus Deutschland), mit denen sie dann auch ihre Freizeit verbrachte. Das war ein echter Gewinn in dieser Zeit und damit konnte man die Gastfamilienverhältnisse gut kompensieren. Das war auch ihr größter Halt während des Irland-Aufenthaltes.
Die Organisation vor Ort, bzw. die eine Dame dort (Michelle) war in der gesamten Zeit keine Hilfe. Ganz im Gegenteil sie war oft nur genervt, wenn es unangenehme Fragen gab. Es gab nicht EINEN Besuch zu Hause bei den Gasteltern (obwohl vorher versprochen), d.h. von „ausgewählten“ Gastfamilien war NIE etwas zu spüren und die Unterkünfte wurden sich sicher nie angeschaut, wenn man bedenkt, dass unsere Tochter bei einer Akkutischlampe an einem zu kleinen Tisch, nur mit Hocker ohne Lehne, die 9 Monate als Schülerin hätte aushalten sollen.
Tatsächlich freute sich unsere Tochter dann auf Weihnachten. „Vielleicht machen die dort mal etwas Besonderes“, dachte sie. Aber das war nur Wunschdenken, es gab ein Einziges gemeinsames „Essen“, quasi das, was eigentlich für uns an jedem normalen Wochentag üblich ist, sonst nix.
Übrigens, kannte die Familie auch den Geburtstag unserer Tochter nicht. Durch Zufall hatten sie es erfahren, weil sie mit 3 Freundinnen etwas Schönes Kochen und Backen wollte an diesem Tag, nix Großes, halt mit den Dreien einen schönen Tag genießen. Da hat die Mutter tatsächlich gesagt, dass sie ausgerechnet an diesem Tag die Küche nicht benutzen darf. Wie assozial muss man sein, um einem Gastkind den Geburtstag so zu verderben, wenn man als Familie schon nix mit ihr macht. Sie haben dies schlussendlich dann bei der Gastfamilie ihrer Freundin gemacht, die hatten nix dagegen.
In der gesamten Zeit wurde von Seiten beider Familien nicht ein einziger „kleiner“ Ausflug gemacht. Wir hätten auch nichts Großes erwartet, aber wenigstens mal ein gemeinsamer Tag am Meer oder mal einen gemütlichen Bummel in der Stadt oder einige Sehenswürdigkeiten der Gegend besuchen. Wie gesagt sie ging in Galway zur Schule, da gibt es Einiges zu sehen und die Familie wohnte keine 15 Min. mit Auto entfernt, aber es gab NIX von Alledem.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Kulturwerke Deutschland viel versprochen, aber wenig gehalten hat. Eine ausgewählte, passende Gastfamilie war definitiv nicht dabei! Da geht es nur ums Vermieten und nicht um einem Teenager aus einem anderen Land eine angenehme Zeit in einer fremden Umgebung zu ermöglichen. Nur, weil wir so eine starke Tochter haben, war es überhaupt möglich, dass sie die Zeit dort so gut für sich nutzen konnten. Für einen jungen Menschen mit weniger Selbstbewusstsein und wenig Erfahrung im „Selbstmanagement“ wäre das Schuljahr in Galway weitaus schwieriger verlaufen.
Am Ende hätte man sich, nach der Rückkehr, von Kulturwerke genauso ein Team-Meeting gewünscht, wie vor den Vertragsunterzeichnungen, aber ich glaube die Kritik wollen die sich nicht wirklich anhören.
Vielleicht wäre es besser, wenn sich Kulturwerke Deutschland „PASSENDE Partnerunternehmen“ vor Ort aussuchen würde, die wirklich nach passenden Familien suchen würden, dann wäre wahrscheinlich einiges Besser gelaufen.


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