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Erfahrungsbericht Sita's Jahr in Kansas Kurzinfo:
Interview vom 8. Februar 2001. (s): Ich bin Sita, 18 Jahre alt, war 99/00 für ein Jahr in den USA, Kansas.
(f): Was hat Dir gefallen? (s): Es war aufregend, aber es war auch sehr schwer, weil ich manchmal nicht mehr weiter wußte. Aber was ich raten kann: Man sollte immer offen sein. (f): Welche Unterschiede gibt es zwischen Deutschland und den USA, besonders bei den Schulen? (s): Bei der Schule ist mir aufgefallen, daß alles viel viel größer ist, daß die Lehrer auf die Schüler zugehen. Der ganze Lebensstil ist einfach anders: Die Menschen sind tierisch faul. Alles wird mit dem Auto unternommen. Ob es nun zum Nachbarn geht oder zum Geschäft um die Ecke - man setzt sich ins Auto. Alle sind sehr herzlich. Am Anfang habe ich gedacht, die sind alle tierisch oberflächlich, weil die gar nicht so auf Dich eingehen, wie man das hier in Deutschland tut. Aber diese Oberflächlichkeit hilft Dir, weiterzukommen. Die sind dann nett und freundlich und Du fühlst Dich wohl. (f): Wie war Dein Verhältnis mit der Gastfamilie? (s): Ich hatte zwei Gastgeschwister, das waren Zwillinge, mit denen mußte ich ein Zimmer teilen. Und ich hatte eine Gastmutter und einen Gastvater. Der Gastvater war ständig auf der Jagd und hat bei der Regierung gearbeitet. Meine Gastmutter war im Krankenhaus tätig. Am Anfang war das alles ziemlich schwierig. Meine eine Gastschwester war sehr eifersüchtig, hat ständig meine Wäsche zerstört, hat Telefonate abgehört, hat in der Schule Sachen erzählt, die überhaupt nicht stimmten. Deswegen war ich auch so traurig, das ich nicht mehr weiter wußte, weil ich mir das so nicht vorgestellt habe. Wir haben uns dann öfter hingesetzt und darüber geredet, weil ich dachte, das Reden hilft - und es hat geholfen. (f): Und wie bist Du mit der Sprache zurechtgekommen? (s): Ja mit der Sprache ...(lacht) ... also am Anfang, als ich angekommen bin, kam mir das Reden sehr schnell vor. Am Anfang habe ich nicht alles verstanden, aber ich habe so getan, als ob ich alles verstehe. Ich habe immer "yes, ok" und so gesagt. Mit der Zeit kommt man automatisch darein und versteht alles und am am Ende fließend eigentlich. Obwohl ich nach drei Monaten dachte, ich habe überhaupt nichts dazugelernt. Mein Englisch, meinte ich, sei genauso schlecht wie am Anfang. Da habe ich angefangen, Bücher zu lesen, ich wollte immer mehr Vokabeln lernen, habe mich richtig verrückt gemacht, weil ich gedacht habe: Ich bin doch hier, um die Sprache zu lernen, ich pack das nicht. Aber am Ende war es doch fließendes Englisch. Man darf sich nicht unter Druck setzen. (f): Welche Erlebnisse sind Dir besonders bemerkenswert erschienen? (s): Tolle Erlebnisse gab es, als ich mich das erste Mal mit meiner Gastschwester wieder gut verstanden habe - das war klasse. Dann dass ich in der Schule so schöne Sachen machen konnte: Ich habe eine Schauspielklasse belegt, im Schwimm- und Tennisteam mitgemacht, um einfach viele Leute kennen zu lernen. Freundschaften zu schließen, war ein tolles Erlebnis. Am Anfang denkst Du, werde ich überhaupt jemals Freunde finden? Ich war an einer Schule mit etwa 1.500 Schülern - sehr groß, man verliert sich da einfach. Wenn Du nicht selbst Kontakte knüpfst, bist Du verloren. Die Reisen, die ich mit meiner Gastfamilie unternommen habe, zum Beispiel Skifahren, waren schön, aber auch Weihnachten. Wir haben mit 50 Leuten gefeiert, ich habe eine Rede gehalten, meine Gastgroßeltern haben geweint... Und das ist es, was prägt: Das Du als völlig unbekannter Mensch irgendwo hin fliegst und es schaffst, Dich in die Herzen der Menschen einzuarbeiten. Das war schön, das sind Erlebnisse, von denen ich sage, dafür hat es sich gelohnt.
(f): Wie war das mit Parties und Alkohol? (s): Als Austauschschüler darf man eigentlich nicht zu Parties. Aber ich habe mir das mal angeschaut, weil es mich interessiert hat. Alkohol darf man erst ab 21 trinken - aber die kennen da keine Grenzen. Die betrinken sich bis zum Umfallen. Die Parties laufen meistens so ab, das oben nur getrunken wird. Dann geht man runter und unten treffen sich dann Männlein und Weiblein. Oft kommt auch die Polizei und dann werden auch die Jugendlichen verhaftet, die unter 16 sind, mit Drogen und so. Also, es ist einfach schlimm, grausam. Nicht zu vergleichen mit hier. Es gibt eben nur den krassen Unterschied. Entweder gehört man zu der kirchlichen Gruppe. Die schauen dann Video-Filme, wo keine Gewalt herrschen darf, Trickfilme und so. Auf der anderen Seite gibt es dann diese Football-Spieler mit den Cheerleadern, wo dann die angeblich richtig tollen Parties stattfinden, auch mit Strippen und so. Man muß ein bißchen aufpassen. Wenn man einmal auf die falsche Party gerät, dann ist Dein Ruf hin. (f): Hattest Du viel Kontakt zu Deiner Familie in Deutschland? (s): Mit meinen Eltern habe ich einmal wöchentlich telefoniert, obwohl mir gesagt wurde, nur einmal im Monat sei erlaubt. Und natürlich viel E-Mail Kontakt. Genauso zu meinen Freunden. E-Mail, Briefe und so. In dieser Zeit habe ich auch genau gemerkt, wer die wahren Freunde sind und welche nur oberflächliche Bekanntschaften. Außerdem habe ich immer versucht, meine Familie und meine Gastfamilie ein bißchen zusammen zu bringen. Damit sie sich auch ein Bild voneinander machen konnten. Zum Schluß kam meine Familie auch rüber und da war der Kontakt richtig gut, die haben sich super verstanden. (f): Wie war es, als Du wieder hier in Deutschland warst? Wie sind Deine Freunde und Deine Familie mit Dir umgegangen? (s): Was mir auffiel, war, daß ich sehr selbständig geworden bin. Ich war vorher auch schon selbständig, aber nachdem ich drüben alles alleine gemacht habe, hätte ich sagen können: "Mama, ich kann jetzt ausziehen und mein Leben selber gestalten. Du denkst, Du kannst alles selber geschaffen. Aber ich bin auch ziemlich egoistisch geworden. Auf vieles habe ich nicht mehr Rücksicht genommen. Ich dachte, was ich mache, ist richtig, das soll dann auch so akzeptiert werden. Drüben war das nicht anders. Mein Freundeskreis hat sich total verändert: Die wahren Freunde habe ich immer noch, aber ich habe sehr viele neue Leute zusätzlich kennengelernt. Außerdem habe ich die Schule gewechselt, weil ich mir dachte, mein Jahrgang macht jetzt Abitur und ich mache die 12. Klasse nach. Das habe ich auf keinen Fall bereut. Dadurch, dass sich mein Freundeskreis erweitert hat, ist auch alles viel lustiger, einfach besser. Anfangs hatte ich wahnsinnige Probleme. Ich bin überall angeeckt, dachte, "Deutschland - was ist das denn??". Ich kam mit nichts zurecht, dachte nur, wie klein ist das denn alles? McDonalds ... alles ist so peinlich, alles wird nur den USA nachgemacht... Aber das verändert sich mit der Zeit recht schnell. Man gewöhnt sich wieder ein und ich war richtig froh, wieder hier zu sein. (f): Wie war das Abschiednehmen in Deutschland und in den USA? (s): In Deutschland Abschied zu nehmen, war eine Chance und Prüfung für mich: Was ich daraus lerne, ob ich es schaffe, was ich mitnehme aus diesem Erlebnis. Es hat mich persönlich sehr gestärkt, mich kann jetzt so leicht nichts mehr umhauen. Der Abschied aus den USA war sehr schwer. Die Leute dort waren so lieb, die haben mich so toll unterstützt, in den schweren Zeiten geholfen, die waren mir ans Herz gewachsen. Ich hatte auch vorher im Internet geschaut, ob sich in Hamburg irgendetwas verändert hat, wie die Stadt jetzt aussieht. Ich dachte einfach, die Stadt oder irgendwelche Plätze sehen jetzt anders aus. Aber als ich wieder hier war, mich mit meinen Freunden getroffen habe, war alles so normal, als sei ich nie weg gewesen. Das erste Mal wieder in die Innenstadt, mal wieder Einkaufen gehen, in Diskotheken... Aber dann habe ich auch wieder Abstand dazu gefunden. Weil ich ein Jahr lang nicht in Diskotheken gegangen bin, hatte ich auch keine Lust mehr dazu. Anfangs hatte ich überhaupt keine Lust mehr, wegzugehen, ich wollte nur noch zu Hause bleiben. Ich habe am Computer gesessen, E-mails verschickt, telefoniert... der Anfang war schwer. Ich habe sieben Kilo zugenommen in den Staaten, dann bin ich wieder hierher gekommen und das erste, was ich hörte, war: Du bist ja richtig dick geworden. Es war den Leuten gar nicht wichtig, das ich wieder da war, das erste Statement war nur: "Bist Du dick, Sita." Das hat mich total verletzt. In den USA ist es egal, wie Du aussiehst. Der Anfang hier in Deutschland war wirklich bitter - hat aber gestärkt. (f): Wie bist Du dazu gekommen, ein Jahr im Ausland zu verbringen? (s): Das war ganz kurzfristig. Meine Schule hat mich genervt, meine Eltern haben mich genervt, alles lief nicht richtig, ich wollte einfach raus. Ich wollte nur noch weg hier. Da kam ich auf das Auslandsschuljahr und ich habe mich bei mehreren Organisationen beworben. Die meisten haben mir aber nicht gefallen dann bin ich auf meine Organisation gestoßen. Die haben mich dann genommen. Ich dachte, ja, das sind noch sechs Monate, ist ja noch lange hin. Aber dann ging alles ganz schnell. Ich konnte nur noch denken: Jetzt bist Du ein Jahr weg. Fortsetzung folgt... |
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