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Erfahrungsbericht Silkes Jahr in Argentinien (Teil 1) Kurzinfo:
Inhalt:
Der Tag bevor ich geflogen bin, war der schlimmste. Am
Vormittag habe ich geschlafen, dann hat mich ein Freund angerufen, den
ich bei der VBT kennengelernt habe, weil er sich am Flughafen in Hamburg
mit mir treffen wollte, um zusammen einzuchecken. Er war noch aufgeregter
als ich und hat keinen sinnvollen Satz herausgebracht. Aber wir haben
uns dann darauf verständigt, uns um 12.00 Uhr zu treffen, denn wir
sollten gegen 12.15 Uhr einchecken. Am Mittag habe ich gepackt, es war
schon ein ganz merkwürdiges Gefühl, dass da in diesem Koffer
jetzt alles drin sein sollte, was ich für ein Jahr aus Deutschland
mitnehme. Am 1.8.2000 bin ich um 7.00 Uhr morgens mit dem Wissen
aufgestanden, dass ich in 6 Stunden den ganzen beschissenen Abschied hinter
mir habe und wahrscheinlich heulend in der Wartehalle oder im Flugzeug
sitzen würde. Ich bin ins Bad gegangen, hab geduscht, mich fertiggemacht,
die letzten Sachen eingepackt und ein bisschen was gegessen, obwohl ich
ein ganz flaues Gefühl im Magen hatte. Dann saß ich noch 10
Minuten mit meinen Eltern im Wohnzimmer und wir haben uns noch ganz kurz
unterhalten, wie es wohl am Flughafen sein würde.
2. August - 6. August 2000: Buenos Aires Wir haben gefrühstückt, geduscht, geredet und uns in Zweierzimmern eingerichtet, weil wir hier nun noch 3 Tage bleiben sollten. Uns wurde gesagt, dass am nächsten Tag noch Amerikaner und Finnen, am übernächsten Schweizer und am Samstag, an dem wir in die Familien kommen sollten, noch Dänen dazukommen sollten. Wir waren schon sehr gespannt, vor allem auf die Amis, weil in unserer Gruppe, glaub ich, bewusst alle Argentinien gewählt haben und ein bisschen Vorurteile gegen Amerika und die Amis hatten. Aber wir haben uns sehr drauf gefreut, mal welche kennenzulernen. Am Nachmittag des 2.8. haben wir von den Betreuern argentinische Kartenspiele gelernt und über Argentinien geredet. Außerdem haben wir einen kleinen Spaziergang gemacht, um Geld zu tauschen, kleine Einkäufe zu machen und zu telefonieren. Sonst ist nicht viel passiert, da wir alle durch den langen Flug und die Zeitverschiebung ziemlich müde waren. Am nächsten Tag kamen also die Amis und die Schweizer. Sie haben unsere Vorurteile natürlich nicht bestätigt, naja, vielleicht ein oder zwei, aber darum geht's ja hier nicht. Wir hatten ein bisschen Vorbereitung, genau darüber, also über Vorurteile und wir man sie verhindern kann. Aber insgesamt war das ganze nicht so aufregend, auch als die anderen aus der Schweiz kamen am nächsten Tag, es war eigentlich mehr ein gemütliches Beisammensein und Spaßhaben als eine Vorbereitung. Wir hatten auch noch einen sehr wirkungsvollen (?) 2-stündigen Spanischkurs, aber sonst ist echt nicht viel passiert. Der Flug in meine neue Heimat Am Samstag war es endlich soweit: 9 Uhr morgens Abfahrt vom Camp zum Flughafen, endlich in die Familien. Wir (d.h. eine andere Deutsche, eine Dänin, die allerdings erst um 15 Uhr oder so am Flughafen ankommen sollte, und ich) hatten allerdings besonders großes Pech: Unser Flug ging erst um 17.25 Uhr, so dass wir den ganzen Tag am Flughafen in Buenos Aires verbringen durften. Wir haben uns mit unseren Betreuern unterhalten und einfach nur rumgesessen. Dann kamen die 3 Dänen an, von denen 2 ganz in den Süden Argentiniens kommen würden und eine mit uns in den Nordosten, nach Posadas. Erst flogen die beiden anderen ab und dann waren endlich wir dran... Wir hatten allerdings auf dem Flug noch ein kleines Problem, denn um 19 Uhr hatten wir eine kurze Zwischenlandung in einer anderen Provinz und natürlich haben wir die Durchsage nicht verstanden und es hatte uns auch niemand gesagt. Also sind wir, dumm wie wir sind, denn wir sollten ja erst um 20 Uhr ankommen, ausgestiegen... Auf dem Flughafen in Resistencia hat natürlich auch kein Arsch Englisch gesprochen, so dass wir, als wir unseren Fehler bemerkt hatten, nur noch vollkommen verängstigt zu irgendwelchen Flughafenleuten gelaufen sind, unsere Tickets gezeigt haben und "Posadas, Posadas!" gesagt haben. Gottseidank haben die kapiert, was wir wollten und wir konnten wieder einsteigen. Um 20 Uhr sind wir das zweite Mal ausgestiegen, diesmal auch wirklich in Posadas. Posadas hat 400 000 Einwohner und ist die Hautstadt der Provinz Misiones, im Nordosten von Argentinien, direkt an der Grenze zu Paraguay und ca. 250 oder 300 km von der brasilianischen Grenze entfernt. Posadas hat einen ziemlich kleinen Flughafen, so dass man vom Flugzeug aus zum Gebäude laufen muss/kann. Als wir näher kamen, sahen wir ein weißes Plakat, auf dem wir den Namen "Janet", der Name der anderen Deutschen, erkennen konnten. Janet fing an, ganz wild mit den Armen zu fuchteln und Anine (die Dänin) und ich auch, weil unsere Familien da ja auch irgendwo sein mussten. Dann erkannten wir auch noch unsere Namen auf dem Plakat und waren total froh, dass es für uns alle war.. Als wir auf unser Gepäck warteten, kamen unsere Familien schon in die Halle und ehe ich irgendwas denken konnte, standen 4 Mädchen vor mir, von denen eine dann sagte: "Silke? I'm Adriana, your new sister!" Ich gab ihr, wie's in Posadas üblich ist, 1 Küsschen links, in Küsschen rechts und sie stellte mir die anderen vor: 2 ihrer Freundinnen und meine kleinere Gastschwester. Dann kamen meine Gasteltern auch noch und Adrianas Freund. Die ersten Fragen, die sie mir stellten, waren: "Wie geht's dir?", "Geht man in Deutschland in die Disko?", "Willst du heut nacht mit in die Disko?", "Hast du einen Freund?" Es war echt sehr lieb, wie sie mich begrüßt haben, aber ich war vollkommen durcheinander und hab's grad noch irgendwie noch geschafft, meinen Koffer vom Band zu heben und mit ihnen rauszugehen. Dann bin ich mit Adriana, ihren 2 Freundinnen und ihrem Freund im Auto "nach Hause" gefahren, meine Gasteltern und meine kleinere Gastschwester im anderen Auto. Als wir da waren, war ich erstmal vollkommen überwältigt von diesem Riesenhaus, mit Swimming-Pool, Fahrstuhl, usw. Und dass alles für 5 , ups, jetzt natürlich 6 Personen. Dann habe ich meinen kleinen Gastbruder kennengelernt, geduscht und gegessen. Um 23 Uhr bin ich mit Adriana in ihrem Auto zu einer der beiden Freundinnen gefahren, wo eine kleine Party stattfand. Es war nur sehr klein, aber es waren ca. 15 Mädels da, die sich mir alle vorstellten und mit mir reden wollten, ich hab allerdings gar nichts verstanden und stand wie festgenagelt auf einem Fleck. Dann sind wir zu einer Bar gefahren, davon gibt es in Posadas total viele. Es ist ein kleiner Laden, in dem man auch sitzen kann, es gibt Hamburger, Pommes, Pizzas und Getränke und außerdem sind am Straßenrand vor der Bar Tische und Stühle aufgestellt, das ganze hat ein bisschen Biergartenatmosphäre. Da hab ich dann auch meine neuen Klassenkameraden kennengelernt, aber ich kann mich an gar nichts mehr erinnern, es ist einfach alles total an mir vorbeigerauscht. Zwischendurch haben wir ein paar Runden mit dem Auto gedreht, was hier eine sehr beliebte Sache ist. Dazu muss man sagen, dass die Strassen hier in Quadraten aufgeteilt sind und wenn du eine Entfernung angibst, sagt man z.B. "2 Blöcke" Wir sind also durch die Gegend gefahren und ich muss echt sagen, obwohl wir immer wieder dieselbe Runde gefahren sind, hatte ich überhaupt keine Orientierung und kann mich an gar nichts erinnern, was ich da gesehen habe. Um 3 Uhr wollten sie mich noch mit in die Disko schleppen, aber da hab ich dann gesagt, dass ich jetzt doch lieber schlafen würde, denn die Zeitumstellung hat mir doch ganz schön zu schaffen gemacht, in Deutschland war es immerhin schon 8 Uhr morgens. Adriana hat mich nach Hause gebracht, es sind aber auch nur 1 ½ Blöcke von der Bar. Ich bin in mein Zimmer gegangen, hab mich ins Bett gelegt und total angefangen zu heulen, obwohl ich selbst nicht wusste, warum, es war doch alles perfekt gelaufen... Eine Minute später habe ich allerdings tief und fest geschlafen. |
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