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Erfahrungsbericht Sarah's Jahr in South Bend (Teil 2) Kurzinfo:
Inhalt:
Die Zeit nach Weihnachten verging wie im Flug. Silvester erlebte ich auf amerikanische Weise, dabei hatte ich mir den Jahreswechsel in Amerika immer als etwas Großes und Besonderes vorgestellt. Aber da wurde ich doch eines Besseren belehrt. Ich feierte Silvester mit ein paar Freunden in der Familie. Eigentlich wollten wir ja Bowlen fahren, aber die erste Bowlingbahn hatte geschlossen, bei der Zweiten sah es auch nicht besser aus. Als wir dann irgendwann fündig geworden sind, wollte keiner warten, bis die nächste Bahn frei wird also ging es nach fast zweistündiger Suche wieder nach Hause. Zum Schluß hatten wir dann doch noch eine Idee, das Kino. Ein Film was schnell gefunden und so verbrachte ich den Jahreswechsel im Kino. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon völlig integriert in das amerikanische Leben. Ich wurde nach und nach auch bei Freunden zu Hause eingeladen. Was für mich ein Zeichen war, dass ich jetzt alles erreicht hatte was ich immer wollte. Wir gingen nachmittags gemeinsam shoppen, fuhren einfach nur mit dem Auto durch die Gegend oder wir sahen uns den Sonnenuntergang am Lake Michigan an. Schwimmen näherte sich auch immer mehr dem Ende. Unser Team war in dieser Saison sehr erfolgreich wir belegten den vierten Platz in der Stadt. Die Senior Night war auch sehr amüsant. Das ist die Nacht an dem die Seniors aus dem Team geehrt werden. Ich mußte gleich als erstes mit meiner Gastfamily über die Bühne laufen, natürlich hatte ich keine Ahnung was ich machen sollte. Man hatte mir vorher nur ganz knapp erzählt: "Gehe einfach in die Richtung, wo Nora steht und dann klappt das schon." Ich hörte meinen Namen und bin dann auch gleich losgestürmt, aber leider ohne meine Family und die waren an diesem Abend genau so wichtig wie ich. Aber zum Glück hatten sie mich relativ schnell wieder eingeholt. Alle aus dem Team erhielten ein kleines Dankeschön-Geschenk. Das erste Halbjahr war nun auch schon wieder vorbei und es war an der Zeit neue Classes zu wählen. Wieder einmal mußte ich tausendmal zu meinem Schülerbetreuer gehen. Aber dieses mal hatte ich ein Bestechungsmittel, deutsche Schokolade - und sie half wirklich. Ich kam jetzt einfacher in die Klassen herein oder vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass dieses Mal ein Platz frei war? 1. Art Jetzt hatten wir auch endlich die langersehnte Spring Break. Dieses sollten für mich die unvergeßlichsten Ferien werden, die ich je hatte. Für mich hieß es auf nach Washington D.C., meinen Gastbruder besuchen und dann nach Georgia meine Gastschwester besuchen. Wir fuhren genau an dem Tag los, als Bush seinen ersten Tag als Präsident der Vereinigten Staaten antrat. Nach fast 12 stündiger Fahrt kamen wir in der Nacht in Washington D.C. an. Es ist unvorstellbar, wie schön alles bei Nacht aussieht, alles ist beleuchtet. Das erste was ich gesehen habe war das Jefferson Memorial. Wir sahen fast jede Sehenswürdigkeit. Wir waren im White House, an diesem Tag soll auch Bush dagewesen sein, vor dem Lincoln Memorial, Arlington wo JFK begraben ist und sahen vieles, vieles mehr. Sogar die Deutsche Botschaft ha-ben wir besucht. Es was schon komisch, vor dem Bauwerk zu stehen, was Amerika symbolisiert, dem White House. Das für mich schönste an Washington ist der Flughafen, die Flugzeuge kommen dort so tief herunter, dass man sie fast anfassen kann. Im Sommer kann man dort den ganzen Tag sitzen und nur zugucken wie die Maschinen landen oder starten, je nach Windlage. Dann ging es auch schon auf nach Georgia. Es war noch nicht einmal März und man konnte in Georgia schon im T-Shirt herumlaufen, während in Indiana noch meterhoher Schnee lag. Hier habe ich auch meine Liebe für Baseball entdeckt. Wir sind zu einem Spiel der Atlanta Braves gegangen, was sie leider verloren haben. Bei CNN habe ich dann die ersten Deutschen getroffen. Es war schon komisch, die Deutsche Sprache nach so langer Zeit wieder zu hören. Coca Cola World durfte natürlich auch nicht fehlen. Hier konnte man z.B. alle Coca Cola Produkte testen die es so über der ganzen Welt verteilt gibt. Einige davon waren wirklich nasty. Nachdem wir Stone Mountain erklommen und den Adler gesehen haben, ging es auch so langsam wieder zurück nach Indiana. Eigentlich hätte ich jetzt wieder zur Schule gehen müssen. Aber hier genoß ich eines der Privilegien, die man als Auschtauschschüler hat. Ich flog für eine Woche nach Flordia. Dies war ein Trip, der von meiner Organisation durchgeführt wurde. Als erstes ging es in die Metropole Orlando. Hier verbrachten wir die meiste Zeit im Disney World. Im Magic Kingdom waren wir ständig auf der Suche nach Mickey, im Epcot Center gab´s dann das erste Mal Bratwurst und Sauerkraut. Bei der NASA waren wir einige Tage zu früh, sonst hätten wir eine Rakete starten sehen können. In den Universal Studios gab es einen riesigen Ansturm, da sich N´sync im Park befanden. Dann ging es auch schon wieder weiter nach Miami. Hier verschlug es uns in die Everglades, wo ich das erste Mal in meinem Leben einen kleinen Alligator in meinen Händen hielt. Wir verbrachten auch einige Stunden am Stand, unter der Sonne Floridas. Am letzten Abend wurde noch einmal richtig auf Amerikanisch gefeiert, mit Pizza und Cola. Am Strand hat uns dann die Polizei um Mitternacht weggeholt.
Es war schon ein schönes Gefühl der Heimat wieder ein bißchen nahe zu sein, sei es nur durch das Treffen anderer Austauschschüler. Das Lustigste fand ich, geschah Anfang des Jahres, da haben wir alle unter einander Deutsch gesprochen. Ich konnte es mir auch nie vorstellen mit einer Person meiner Sprache auf Englisch zu reden, aber siehe da, wir haben uns die meiste Zeit nur auf englisch unterhalten, weil einem irgendwann die deutschen Wörter nicht mehr einfielen. Ein paar Wochen später stand auch schon Prom vor der Tür. Schlau wie ich war, hatte ich mir schon ein Kleid aus Deutschland mitgebracht. Ein paar Wochen bevor der Prom statt finden sollte, probierte ich mein Kleid an und merkte, dass ich wohl doch etwas zugenommen habe in den letzten paar Monaten durch den vielen Sport. Also mußte ein neues Kleid her. Das richtige Kleid habe ich auch schnell gefunden, doch soviel Geld wollte ich nun auch wieder nicht ausgeben. Also ging ich erst einmal wieder ohne Kleid nach Hause. Einige Tage später traf mich dann fast der Schlag: Als ich von der Schule kam, lag das wunderschöne Kleid auf meinem Bett! Ich konnte es kaum fassen, ich bekam das Kleid als verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Jetzt konnte ich kaum die Prom-Nacht erwarten. Sie ist wirklich so, wie man es in den ganzen Filmen immer sieht. Diese riesigen Kleider, in denen manche heiraten würden. Viele Schülerinnen und Schüler gingen in den frühen Morgenstunden schon zum Friseur, danach war dann meistens die große Fotosession. Jede Familie fotografierte ihren Schützling, bis die Batterien alle war. Dann ging es mit Freunden in das teuerste Restaurant der Stadt und wenn dann das Taschengeld alle war, begann der eigentliche Teil. Jetzt wurde gefeiert und getanzt. Die langsamen Lieder wurden fast ununterbrochen gespielt. Punkt 12:00 Uhr war das Ganze aber auch schon wieder vorbei. Das Licht ging an, ein Abschlußlied wurde noch gespielt und dann traf man sich beim After Prom wieder. Dieser ging bis in die frühen Morgenstunden. Hier wurden dann Spiele wie Pokern, Torwandschießen oder Volleyball gespielt. Unter anderem gab es auch eine riesige Tombola, wo jeder die Chance hatte, etwas zu gewinnen. Am nächsten Morgen ging ich mit meinem neu errungenem Fotoalbum und jeder Menge anderem Schnick-Schnack nach Hause.
In der Zwischenzeit hatte ich auch die "try outs" für das Softball Team geschafft. Kurz nachdem der Wintersport zu Ende war, ging es auch schon zu den "spring sports" über. Ich hatte in der ganzen Zeit nur einen freien Tag, ohne das ich ins Wasser gehen oder die Keule schwingen mußte. Aber das war ein Teil meines Lebens geworden. Natürlich gab es einige Leute, die sauer auf mich waren oder schlechte Worte fallen gelassen haben, weil ich es ins Team geschafft habe und sie nicht. In der ersten Woche habe ich auch schon ans Aufhören gedacht. Als wir mal wieder die Bälle schmeißen sollten, habe ich einen Augenblick nicht aufgepaßt und da war es auch schon passiert ich hatte mit voller Wucht den Baseball mitten in den Mund bekommen. Die nächsten Tage bin ich dann mit Kongo-Lippen durch die Schule gelaufen. Natürlich machte mir das etwas Angst, denn ich hatte keine Lust, meine Zähne in Amerika zu lassen. Aber auch die Probleme wurden gelöst und ich lernte, mit der rechten Hand zu fangen, anstatt mit der Linken, den Ball mit der Keule richtig zu treffen und immer schneller als die Anderen zu rennen. Es war schon stressig bei über 30°C in glühender Sonne sein Bestes zu geben. Bei den Spielen war ich meistens rechtes Außenfeld. Unser letztes Spiel haben wir im Finale zum Glück auch gegen unseren Erzfeind gewonnen. Somit sind wir im JV-Team Stadtmeister geworden und haben eine Riesen-Trophäe mit nach Hause genommen.
Gegen Ende des Jahres kam sogar Präsident Bush nach South Bend. Wir hatten in unserer Nähe eine renommierte Universität. Am Tag der Graduation hielt er dort eine Rede. Schon Wochen vorher wurden Sicherheitsmaßnahmen getroffen. An jeder Ecke stand ein Polizeiauto, der Highway wurde kurz danach auch gesperrt. An diesem Tag guckte jeder entweder in den Himmel oder auf den Fernsehbildschirm. Und dann kam Bush in seiner Air Force One angeflogen. Wir sind zu ein paar Freunden gefahren die nahe dem Highway wohnen. So hatten wir natürlich einen eklusiven Blick auf das Geschehen. Als er in seiner Limousine vorbeikam, war das schon komisch, so nahe am Geschehen zu sein. Mein Geburtstag stand vor der Tür. Am Anfang wußte ich nicht, wie ich ihn feiern sollte: Big Party oder mehr im kleineren Kreis. Aber bevor ich eine richtige Entscheidung treffen konnte, sagte eine Freundin von mir, ich sollte gar nichts machen, sie würde mich einladen. Auch gut, dachte ich und so rückte mein Geburtstag immer näher. Morgens kam ich in die Schule und wurde schon mit Jubel empfangen. Aber an diesem Tag waren sie alle anderes, wir redeten nicht wie immer ununterbrochen miteinander. Aber ich dachte mir noch nichts weiter dabei. Nachmittags, als mich dann Amanda abholte, fuhren wir gleich zu Dairy Queen (best ice-cream store in the US), wo wir aber nicht lange blieben, da sie noch was Wichtiges zu Hause vergessen hatte. Also, wieder ins Auto und weiter. Zuhause angekommen, stieg sie noch aus dem fahrenden Auto, bevor ihre Mutter angehalten hatte und rannte ins Haus. Ich dann so langsam hinterher, dann hörte ich nur noch "SURPRISE" und fand mich im Blitzgewitter wieder. Das war so eine schöne Überraschung, mit der ich nie gerechnet hätte.
Die Woche darauf hatten wir schon wieder eine Party, diesmal Yuka´s (Japan) und meine Good-bye-Party. Hier bekamen wir alles typisch Amerikanische geschenkt, damit wir auch ja nie vergessen, wie Amerika wirklich ist. Von Fotoalben bis zum Budeleimer einfach alles. Ich brauchte schon für diese ganzen Sachen alleine einen ganzen Koffer. Nun blieben noch knapp 3 Wochen, bis es wieder zurück nach Deutschland gehen sollte. Jetzt war es nicht mehr weit bis der größte Tag eines Seniors heranrückte. Die Graduation - leider auch ein Tag des Abschieds für jeden. Einige gehen arbeiten, die anderen aufs College und wiederum andere müssen zurück nach Hause. Kein schönes Gefühl, aber leider mußte dieser Tag irgendwann kommen. Es fing schon mit Streß an: Abends hatte ich noch einmal jeden meiner Freunde eingeladen, der mir in diesem Jahr nahe stand. Das ganze Hause mußte noch blitz-blank geputzt werden und von Essen war auch noch nichts zu sehen. Aber wozu hat man Freunde, die einem bei so etwas helfen können. Nachdem wir alle unsere Schritte für die Feierlichkeiten Tage vorher einstudiert hatten, klappte jetzt alles wie am Schnürchen. Zuerst trafen wir uns in einem großen Raum des Century Centers, wo wir uns nach dem Nachnamen ordnen sollten, was gar nicht so einfach war. Uns wurde zwar allen Erklärt, wo wir uns einzureihen haben, aber jeder hatte andere Gedanken, als sich damit zu beschäftigen, neben wem er jetzt stehen muß. Als wir dann alle in Reih und Glied in korrekter Ordnung standen, ging es auch schon weiter in den Festsaal. Hier saß dann der Rest der Familie. Nachdem der Schuldirektor und andere ihre Reden gehalten haben, hieß es für den Rest, nun endlich das Diplom zu erhalten. Dies war ein sehr aufregender Augenblick. Zur Bühne zu gehen, seinen Namen zu hören, die Treppen hinaufzulaufen und sein Diplom in die Hand zu nehmen. In diesem Moment war mein Austauschjahr auch zu Ende. Alles was ich mir aufgebaut hatte, wird nie wieder so sein wie es einmal war. Jetzt waren es nicht einmal mehr 24 Stunden, in denen ich zwischen neuer und alter Welt war. Den letzten Abend verbrachte ich mit Freunden zusammen. Wir gingen noch einmal ins Kino und zu vetraut gewordenen Plätzen. Es war eigentlich niemandem richtig klar, dass ich einen Tag später im Flugzeug nach Hause fliegen würde. Am nächsten Morgen stand ich dann mit sechs Koffern am Flughafen. Ich hatte alles eingepackt, was auch nur ein bißchen nach Amerika aussah oder mich an die schöne Zeit erinnern sollte. Sogar das Flughafenpersonal hatte Mitgefühl und so durfte ich mich bis zur letzten Minute von jedem doppelt und dreifach verabschieden. Im Flugzeug hatte ich dann alles andere zu tun als zu heulen, ich mußte erst einmal die ganzen Briefe lesen, die mir jeder noch zuletzt gegeben hatte.
Die ersten paar Wochen in Deutschland hatte ich doch einige Sprachschwierigkeiten. Beim Bäcker fing ich an, auf Englisch zu bestellen, Benzin wollte ich nur kaufen anstatt tanken zu fahren. Und ich stelle mich auch nie hinten an der Schlange an, sondern nur in der Linie. Ich merkte meine Fehler erst dann, wenn jeder um mich herum schon schallend lachte. Es ist schon komisch, wieder zu Hause zu sitzen und zu
sehen, wie das Leben hier in Deutschland weiter geht. Ich hatte nie an
den Tag gedacht, an dem ich wieder nach Deutschland zurück kehren würde.
Dieses Thema war für mich immer tabu. Am Anfang meines Austauschjahres
habe ich irgendwann angefangen, die Tage zu zählen bis ich wieder zurück
muß, aber nach dem ich mich erst einmal richtig in Amerika eingelebt hatte,
konnte ich es mir nicht mehr vorstellen, nach Hause zu fliegen. Aber jetzt
bin ich auch schon wieder seit gut vier Monaten auf deutschem Boden und
das Leben geht weiter ... |
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