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Erfahrungsbericht

Nicolaj's Geschichte vom Schüler zum Professor

Kurzinfo:
Name: Nicolaj Siggelkow
E-Mail: siggelkow@wharton.upenn.edu
Homepage: www.wharton.upenn.edu/faculty/siggelkow.html
Austauschort: USA / Kalifornien / Atascadero
Austauschjahr: 1987/1988

Nicolaj Siggelkow war 1987 ein Austauschschüler in Atascadero, Kalifornien. Nach seinem Abitur kehrte er in die USA zurück, studierte an der Stanford University und promovierte an der Harvard University. Zehn Jahre lang war Nicolaj ein aktiver Teilnehmer an Eurovacances Wochenendseminaren und bereitete viele zukünftige Austauschschüler auf ihr Jahr in den USA vor. Seit 1998 ist er Professor an der Wharton School of Business in Philadelphia.

Nicolaj Siggelkow Nicolaj Siggelkow

Mein Austauschjahr liegt schon ein paar Jahre zurück (Reagan war Präsident und Deutschland geteilt - aber das ist wirklich noch nicht so lange her!!). Im Rückblick hat das Jahr in Amerika eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt.

Schon bevor ich mein Jahr in Atascadero, CA, verbrachte, hatte ich mit dem Gedanken gespielt, vielleicht einmal in einem englischsprachigen Land zu studieren. Doch es war mir auch klar, daß ich dazu ersteinmal mein Englisch aufpolieren mußte. Der Gedanke ein Jahr in Amerika zu verbringen war ebenfalls faszinierend. Also, auf ging es nach Amerika mit Eurovacances (nach einem dreistündigen Bewerbungsinterview)!

Ich hatte das Glück, in eine sehr nette Familie plaziert zu werden. (Den wöchentlich zweimaligen Besuch in der Kirche nahm ich da gerne in Kauf).

Die Atascadero High School war nicht allzu anspruchsvoll, was ich aber dazu nutzen konnte, ersteinmal etwas Praktisches wie Schreibmaschinenschreiben zu lernen (kommt mir jetzt zugute), und zweitens mich auf verschiedene Tests vorzubereiten.

Wer in Amerika studieren möchte (ob Amerikaner or Ausländer) muß verschiedene Tests absolvieren, wie z.B. den SAT (Scholastic Aptitude Test). Die Testergebnisse werden dann von den Universitäten benutzt, Studenten zuzulassen. Der SAT hat zwei Teile, einen mathematischen und einen englischen Vokabelteil. Der letztere ist natürlich so konzipiert, daß ihn Schüler, deren Muttersprache Englisch ist, schwierig finden. Als Englischlernender ist man da natürlich zuerst aufgeschmissen. Also nutzte ich meine freie Zeit, mir eine große Vokabelkartei anzulegen und jeden Tag fleißig Vokabeln zu lernen (von denen ich heute immer noch zehre). Am Ende des Jahres hatte ich dann alle Tests absolviert und konnte nach meiner Rückkehr nach Deutschland mit Bewerbungsschreiben beginnen. Dies war ein langer und mühseliger Prozeß, da jede Universität ein umfangreiches Bewerbungspaket hatte.

Die guten Nachrichten kamen jedoch. Ich wurde an der Stanford Universität mit Teilstipendium angenommen. Ich schob meine Immatrikulation noch um ein Jahr auf, um mein Abitur abzuschließen. Dann ging es nach Stanford ins sonnige Kalifornien. Ich studierte dort Economics und erhielt nach drei Jahren meinen Bachelor Abschluß. Stanford war hart, aber auch ein tolles Erlebnis. Gearbeitet wurde meist bis tief in die Nacht. Aber da fast alle den gleichen Einsatz zeigten, fiel dies nicht all zu schwer.

Nach dem Bachelor Abschluß wird man in Amerika "aus der Uni geschmissen." Wenn man weiterstudieren möchte, muß man sich neu bewerben und die Aufnahme in ein "graduate program" ist keineswegs garantiert. Wieder mußten Tests absolviert und umfangreiche Bewerbungsmaterialien ausgefüllt werden.

Und wieder kamen gute Nachrichten. Ich wurde in Harvard's Business Economics Programm aufgenommen. Dies ist ein Programm von der Harvard Economics Fakultät und der Harvard Business School, in das jedes Jahr fünf bis acht Studenten aufgenommen werden. Ich hatte gesagt, daß Stanford hart war. Das erste Jahr in Harvard war härter. Noch nie war ich von einer solch intelligenten und hart arbeitenden Gruppe Studenten umgeben gewesen. Das zweite Jahr verbrachte ich in dem MBA Programm in der Business School. Nach insgesamt fünf Jahren hatte ich meine Dissertation vollendet und promovierte.

Und was kam dann? Richtig. Wieder Bewerbungsschreiben. Diesmal für Positionen als Professor für Management an verschiedenen Business Schools in den USA und in Europa.

Der Ruf kam aus Wharton, der Business School der University of Pennsylvania, und dem folgte ich gerne. Laut Business Week und Financial Times ist Wharton die beste Business School in den USA oder sogar der Welt. Obwohl solche "Rankings" immer etwas suspekt sind, ist Wharton sicherlich einer der besten Business Schools, ob nun "die beste" oder nicht, darüber läßt sich streiten.

Wer mehr über meinen jetzigen Beruf erfahren möchte, der kann sich auf meiner Webseite umsehen: http://www.wharton.upenn.edu/faculty/siggelkow.html

Auf der persönlichen Seite ist noch zu erwähnen, daß ich während meines Studiums in Harvard meine jetzige Frau Deborah kennenlernte, die ihren Doktor in Neurobiologie ein Jahr vor meiner Promovierung feiern konnte (Somit konnte ich Harvard's Graduation Zeremonie zweimal erleben).

Dies war ein kurzer Abriß von den Jahren, die meinem Austauschjahr folgten. Es war schon eine sonderbare Reise, die ich sicherlich nicht vorhersehen konnte. Mit Eurovacances begann diese Reise, und Eurovacances hat mich auch für viele Jahre nach dem Austauschjahr "begleitet." Zehn Jahre lang nahm ich an Wochenendseminaren teil, in denen zukünftige Austauschschüler auf ihr Austauschjahr vorbereitet wurden. Um nichts möchte ich diese Seminare missen ("so schön, schön war die Zeit"). Und um nichts möchte ich mein Austauschjahr missen, das mir den ersten Schritt auf dem Weg des "American Dream" ermöglichte.


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