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Erfahrungsbericht

Nicolas Jahr in Villa Rica

Kurzinfo:
Name: Nicola (aus Klingenberg am Main)
E-Mail: erfahrungbericht@schueleraustausch.de
Austauschort: USA / Georgia / Villa Rica
Austauschjahr: 2002/2003

Inhalt:



Gastfamilie eine Woche vor Abflug

"Hallo Nici, wir haben eine Gastfamilie für dich gefunden, dein Flug geht in einer Woche!“, das waren die ersten Worte meiner Repräsentantin. „Sie sind dunkelhäutig und haben einen Sohn der in deinem Alter ist. Du wohnst in Villa Rica, Georgia und gehst auf die örtliche High School.“ Das waren alle Informationen, die ihr zu der Zeit vorlagen. Ich erlitt meinen ersten "Schock“. Den Staat konnte ich zuerst gar nicht auf der Landkarte finden und als ich sah, dass ich mitten in die Südstaaten kommen würde, erlitt ich quasi meinen zweiten Schock, da ich als Schwarze nie und nimmer in den Süden wollte! Ich hatte fest auf eine Platzierung im Norden gehofft! Am selben Tag habe ich noch eine E-Mail von meiner Gastmutter erhalten und meine Laune hatte sich schon wieder um einiges gebessert. Meine Mutter war "am Boden zerstört“ als sie von meinem baldigen Flugtermin erfuhr. Von dem Tag an hatte ich täglichen E-Mailkontakt mit meiner Gastmutter und das erste Telefonat folgte bald. Die Zeit bis zum Abflug verging wie im Fluge und schon war mein Abflugtag gekommen, den ich zum Glück mit einem langjährigen Freund, der sogar im Flieger neben mir saß, antreten konnte.

 

Ankunft in Atlanta

"Welcome to Georgia and the USA“ das war das Plakat, mit dem mich meine Gastfamilie am William B. Hartsfield Flughafen in Atlanta, Georgia empfangen hatte. Da ich schon vor meiner Ankunft in den USA Fotos der Familie von Eurovacances erhalten hatte wusste ich bereits im voraus, wie meine zukünftige Gastfamilie aussehen würde, war aber natürlich immer noch sehr aufgeregt, was jedoch unnötig war, da ich gleich mit einer Umarmung von jedem Familienmitglied sehr herzlich empfangen wurde. Nachdem wir mein Gepäck abgeholt hatten, ging es mit dem Shuttlebus zu den Parkplätzen und danach mit dem Auto zu einem Steakhouse - ich wurde also gleich mit der amerikanischen Esskultur bekannt gemacht.


Gastfamilie

Meine Gastfamilie bestand aus meinem Gastvater Bobby, meiner Gastmutter Gwen (beide damals 46) und meinem gleichaltrigen Gastbruder Sean. Sie wohnten in einem einstöckigen Haus mit einem großen Garten und viel Wald in einer etwas wohlhabenderen Gegend Namens "Fairfield“. Ich hatte dort mein eigenes Zimmer und Bad und konnte auch zu jeder Zeit den Computer oder Laptop benutzen.


Schule

Ich besuchte die Villa Rica High School, welche ungefähr 1.000 Schüler hatte, und fuhr fast jeden Tag mit dem Schulbus zur Schule. Ich hatte eine große Kursauswahl und es gab etliche Sportteams und sämtliche Clubs und andere Aktivitäten an der Schule. Mein Stundenplan bestand aus Honors Chemistry, Information Technology Issues (das war eine Online class, welche ich von der Schulbibliothek aus belegte), Algebra II, World Literature, Advanced Weight Training und U.S. History. Der Unterricht begann um 08:10 und endete um 15:10 und jede Stunde dauerte 60 Minuten mit je fünf Minuten um dann zum nächsten Klassenzimmer zu kommen. Der erste Schultag war eigenartig: zuerst bekam ich eine Führung von einer Schülerin und dann saß ich die letzten zehn Minuten noch in der ersten Stunde. Während dem Lunch setzte ich mich einfach an einen Tisch an dem noch ein Platz frei war, da ich wirklich nicht wusste wohin in dem Gedränge. Zu dem Zeitpunkt hätte ich das Heulen anfangen können, doch das änderte sich bald. Ich lernte in meinen Klassen zahlreiche neue Leute kennen, mit denen ich während des Lunches am Tisch saß und mit welchen ich an den Wochenenden z.B. ins Kino ging. Ich war während meines Jahres nur im "track & field“ (Leichtathletik) Team der Schule, da ich die Basketball try-outs nicht bestanden hatte. Dies ist ein Nachteil der größeren Schulen, denn es ist schwieriger in deren Sportteams zu kommen aufgrund der höheren Klasse, in welcher die Teams der Schulen spielen. Alles in allem kann ich sagen, dass ich mit der Schule voll und ganz zufrieden. Trotz der Größe der Schule war ich die einzige ATS und fast jeder kannte mich, wenn nicht direkt dann auf jeden Fall mit Namen oder als "Germany".


Alltag

Mein Alltag bestand hauptsächlich aus Schule. Der Unterricht begann um 08:00h und endete um 15:10h. Ich kam dann um 16:00h zu Hause an, erledigte meine Hausaufgaben und telefonierte oder schaute fern, sofern dafür noch Zeit übrig blieb. Während der Track Season hatte ich immer von 15:30h bis 17:30h Training und kam dann erst um 18:00h nach Hause. An den Wochenende unternahm ich während des Tages viel mit meiner Gastfamilie und abends konnte ich mit Freunden z.B. ins Kino oder zur Bowling Alley gehen. Ich durfte sogar mit meiner besten Freundin ab und zu auf Parties gehen, musste jedoch immer zwischen 23:30h und 00:30h wieder zu Hause sein. Ab und zu konnte ich auch bei Freunden übernachten.


Kirche

Mein Gastvater war Pastor in "Griffin Chapel“, einer United Methodist Church im Nachbarort und von daher waren Kirchenbesuche ein Teil meines Alltags. Jeden Sonntag gab es um 09:30h Frühstuck und danach hatten wir Jugendlichen Sunday School. Um 10:45h begann der "service“ (Gottesdienst), welcher bis ungefähr 13:00h andauerte. Anfangs kam es mir unendlich lang vor, da ich ja auch nicht viel verstehen konnte, doch mit der Zeit begann es Spass zu machen. Wir hatten einen Gospelchor, welcher den Gottesdienst erst richtig zum Leben erweckte. Jeden Mittwoch hatten wir Bible Study, doch den musste ich nicht besuchen. Die Kirche war außerdem ein guter Ort, um Leute kennen zu lernen und war mit das prägendste in meinem Austauschjahr.


Prom - erst kein Date, dann gleich zwei

Dressed up for Prom

Die Prom war eines der schönsten Erlebnisse während meines Austauschjahres. Es hatte zwar eine Weile gedauert, bis ich ein Kleid gefunden hatte, das mir gefällt, doch letztendlich hat alles hingehauen. Traditionell ging ich mit meiner Gastmutter shoppen. Das Kleid fand ich zwar schon gleich im dritten Geschäft, doch die Schuhe waren ein größeres Problem. Da ich mit den Einkäufen erst eine Woche vor Prom begonnen hatte, waren wir zehn Stunden in sämtlichen Schuhläden Atlantas unterwegs, nur um etwas Passendes zum Kleid zu finden. Ich glaube, an diesem Tag habe ich die Nerven meiner Gastmutter sehr strapaziert, doch im Endeffekt war sie schon froh, so etwas einmal mitgemacht zu haben. Ich hatte zuerst zwar kein Date, doch letztendlich bin ich auf zwei Proms verschiedener Schulen gewesen und hatte eine echt geniale Zeit!

 

Reisen

Während meines 11 ½ monatigen Aufenthaltes in den Staaten habe ich so einiges gesehen. Während der Orientation der Partnerorganisation hatte ich einen zweitägigen Aufenthalt in Chicago, Illinois bevor ich überhaupt zu meiner Gastfamilie konnte. Da meine Gasteltern während des Jahres öfter auf Geschäftsreisen mussten, nahmen sie meistens die ganze Familie mit. Über Thanksgiving fuhren wir z.B. zu "Walt Disney World“ nach Orlando, Florida und Anfang Dezember sind wir für eine Woche nach San Jose und San Francisco, California geflogen. Kurz vor Weihnachten bin ich dann noch mit Freunden zum Ski fahren in die Nähe von Boone, North Carolina gefahren. Während der Spring Break sind wir dann in die Smoky Mountains in Tennessee und später noch nach Alabama, South Carolina, Colorado und nach Seattle (Washington State) gefahren bzw. geflogen.

 

Probleme

Ich kann nicht sagen, dass ich während meines Austauschjahres große Probleme hatte. Zwar hatte ich einige kleinere Schwierigkeiten wie zum Beispiel Eifersucht und ab und zu Meinungsverschiedenheiten, doch dies waren auch Erfahrungen, welche ich nicht missen möchte.

 

Die letzten Tage

Die letzten Tage meines Austauschjahres hab ich sehr genossen. Ich verbrachte die Zeit mit meiner Gastfamilie und Freunden. Wir tauschten Adressen aus und machten einfach das Beste aus der verbleibenden Zeit.Falls ihr noch mehr über mein Austauschjahr erfahren wollt könnt ihr mir gerne eine E-Mail schreiben oder mehr darüber auf meiner Homepage nachlesen. Ab August 2004 werde ich mein Studium in den USA beginnen und natürlich auch versuchen Berichte davon auf meiner Homepage zu veröffentlichen: www.nicigoestousa.de.vu


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