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Erfahrungsbericht Milena's Jahr in Tunbridge Kurzinfo:
Inhalt: Ich heiße Milena Wolff, bin am 17.7. dieses Jahr siebzehn geworden und werde vom 3.9. an für ein halbes Jahr nach England gehen. Meine Organisation ist Partnership International mit Sitz in Köln. Seit Juni weiß ich nun, dass ich meinen Auslandsaufenthalt in Tunbridge Wells, das liegt in der Grafschaft Kent im Südosten Großbritanniens, verbringen werde. Meine Hobbies sind Lesen, Klavier spielen und Sport. Ich liebe es zu tanzen (Ballett, Aerobic, Standard...), außerdem fahre ich gerne Ski und Snowboard. Ich besuche (noch) die elfte Klasse der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich bei Frankfurt und habe eine fünfzehnjährige Schwester. Nach dem Abitur möchte ich sehr gerne im Ausland studieren (Sprachen Geschichte oder Mathe) und Journalistin und später Korrespondentin werden. Schon seit Jahren war es mein Traum, eine längere Zeit im Ausland, weit weg von Freunden, Familien und der vertrauten Umgebung zu verbringen. Eigentlich wollte ich immer auf ein englisches Internat gehen und so fuhr ich im Juni des vergangenen Jahres mit meinem Vater nach Wiesbaden zur Euro-Internatsberatung. Als wir jedoch die Preise sahen und merkten, dass die Organisation hauptsächlich an Gewinn interessiert war, beschloss ich, mich um ein Stipendium beim Bundestag und bei DASG zu bewerben. Ich erinnnere mich noch gut an das stundenlange Ausfüllen von Bewerbungsunterlagen und das Warten auf Antwort. Die betreuende Organisation meines Wahlkreises war Partnership International und Ende Oktober erhielt ich die Einladung zu einem Auswahlinterview in Hanau. Mit neun anderen Schülern wurde ich am 23.11.1999 in einer Realschule über meine Motivation, geschichtlichen Kenntnisse, Verhalten in problematischen Situationen und sonstiges Wissen befragt. Insgesamt dauerte diese wirklich aufregende Testsituation mindestens fünf Stunden! Anfang Dezember erhielt ich von DASG einen Brief, der leider besagte, dass ich von dieser Organisation kein Vollstipendium erhalten hatte. Begründet wurde die Absage damit, dass sie hauptsächlich darauf geachtet hätten, wie gut der jeweilige Austauschschüler zu vermitteln ist und dass Jugendliche mit Allergien (so wie ich) geringere Chancen hätten. Nun hoffte ich natürlich auf das Parlamentarische Patenschafts Programm, doch Ende Januar erhielt ich ebenfalls einen Brief, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich zwar unter die letzten drei Bewerber gekommen, jedoch von dem Bundestagsabgeordneten meines Wahlkreises nicht ausgwählt worden wäre. Ich muss sagen, dass ich damals ziemlich enttäuscht und ratlos war. Schließlich waren die meisten Anmeldefristen von guten und gemeinnützigen Organisationen bereits abgelaufen und ich wollte unbedingt ins Ausland. Also rief meine Mutter bei Partnership International an, um zu fragen, ob ich noch als regulär zahlende Schülerin an dem High School Programm 2000/2001 teilnehmen könnte. Durch Zufall hatte sie jedoch den Programm Director England/Irland am Apparat, die erzählte, dass ich zwar noch an dem USA Programm teilnehmen, sie in meinem Fall jedoch England empfehlen würde. Ich wollte in den USA nämlich unbedingt in den Norden, da ich die Hitze nicht gut vertrage, und auch an einer sehr guten Schule platziert werden, was nicht unbedingt geklappte hätte. Also forderte ich die Bewerbungsunterlagen für England an (glücklicherweise waren noch Plätze frei). Ich muss ergänzen, dass ich von Partnership International ein Teilstipendium erhielt, da ich im Interview für das PPP überzeugt hatte. Nun war es wieder an der Zeit, Bewerbungsunterlagen auszufüllen. Es war mir eigentlich egal, wo man mich in England plazierte, da ich schon mehrmals dort gewesen bin und dieses Land liebe. Ich konnte ebenfalls notieren, ob ich bei einem älteren oder jungen Ehepaar, bei einer alleinstehenden Frau oder einer Familie mit gleichaltriegen Kindern leben wollte, doch auch hier machte ich keine Angaben. Anfang März gingen dann meine Unterlagen nach England zur Partnerorganisation in England (EEOP, ebenfalls gemeinnützig) und die folgenden Monate rannte ich jeden Tag zum Briefkasten, in der Hoffnung, die Adresse meiner Gastfamilie und Schule vorzufinden. Im Mai kam zwar Post von Partnership, jedoch "nur" mit der Einladung zu einem Vorbereitungsseminar in Neuss. Vom 23. bis zum 25. Juni fand ein Vorbereitungsseminar für die Teilnehmer am Englandprogramm von Partnership International statt. Eigentlich sollte es zusammen mit den Schülern sein, die mit meiner Organisation nach Irland gehen, doch dieses Jahr hatten sich so viele Jugendliche angemeldet, dass die Gruppe nach Ländern geteilt wurde. Am 23.6. ging es dann nach Neuss. Ich war wahnsinnig aufgeregt, da ich zum einen niemanden kannte, zum anderen wusste, dass ich an diesem Wochenende die Adresse meiner Gastfamilie und meiner Schule erhalten würde. Eine Woche vorher hatte nämlich der Programm Director England/Irland angerufen und mir mitgeteilt, dass sie eine Familie für mich gefunden hatten. Bereits in dem Bus vom Neuss Hauptbahnhof bis zur Jugendherberge lernte ich eine Teilnehmerin des Seminars kennen. Insgesamt gehen im kommenden Jahr 2000/2001 acht Jungen und zehn Mädchen mit Partnership nach England. Die Jugendherberge war erst seit drei Wochen geöffnet und die Zimmer entsprechend neu. Man kam sofort mit den anderen ins Gespräch, schließlich hatte man ja einiges gemeinsam. Nach dem Abendessen traf man sich dann zum ersten Themenschwerpunkt HISTORY. Hier wurde man in Gruppen eingeteilt und musste gemeinsam wirklich schwere Aufgaben lösen. Danach sprachen alle über die größten Ängste (erster Schultag, Wetter, Essen)und über die Dinge, auf die man sich in England (Land und Leute, Humor, Feste) am meisten freut. Am nächsten Tag ging es gleich nach dem Frühstück weiter. Jetzt wurde über Vorurteile diskutiert und über die englische Schule gesprochen. Auch ehemalige Austauschschüler waren gekommen und berichteten von ihren Erfahrungen. Nach dem Mittagessen war endlich der ersehnte Augenblick gekommen: Die Leiterin und eine Mitarbeiterin der englischen Organisation EEOP trafen mit einem dicken Stapel großer Umschläge ein. Zuerst stellten sich beide auf englisch vor und dann begann die "Bescherung". Es war ihnen gelungen, bereits jetzt für alle eine Familie und Schule zu finden. Ich öffnete meinen Umschlag und stellte erfreut fest, dass ich Kent (Tunbridge Wells) im Südosten von London gelandet bin. Leben werde ich bei einer alleinerziehenden Mutter und ihrer dreizehnjährigen Tochter ein wenig abseits von Royal Tunbridge Wells, das 60.000 Einwohner hat. Als ich las, dass ich eine Grammar School besuchen werde, war ich richtig glücklich, den dies war ein großer Wunsch von mir gewesen, da diese Einrichtungen in England einen sehr guten Ruf und ein hohes Niveau haben. Es gibt nur noch etwa 150 dort und man muss Aufnahmeprüfungen absolvieren, um angenommen zu werden. So war ich wirklich überrascht und froh, dass es EEOP gelungen war, mich an einer zu platzieren. Nur anfangs war ich etwas entsetzt, dass ich an einer Mädchenschule ("the Weald of Kent Grammar School for girls") gelandet bin, aber mittlerweile habe ich auch die Vorteile erkannt und freue mich riesig darauf. Es war nur lustig, denn meine beste Freundin ist zur Zeit für ein Jahr auf einem amerikanischen Mädcheninternat mit ASSIST und ich habe mich die ganze Zeit über die "Mädchenschule" amüsiert, und nun bin ich selbst auf einer gelandet. Falls sich jemand dafür interessiert, hier ist die Internetadresse meiner Grammar School: http://www.rmple.co.uk/eduweb/sites/wokgsg96/index.html An diesem Nachmittag sprachen wir über das Leben in den Gastfamilien und das Verhalten. Es ist in England so, dass die Familien finanziell unterstützt werden, da sie meistens in sehr einfachen Verhältnissen leben. Natürlich sind sie trotzdem an der Kultur der Austauschschüler interessiert. Wir lernten hier das Verhalten in schwierigen Situationen und bekamen student handbooks. Abends sahen wir einen englischen Film, der jedoch nicht so viel Zustimmung fand. Am nächsten Morgen trafen dann die Eltern ein und es konnten noch offenstehende Fragen geklärt werden. Hier nochmals ein großes Dankeschön an Partnership International, die das Vorbereitungsseminar toll gestaltet haben und sich dabei viel Mühe gegeben haben!!! Nach dem Vorbereitungsseminar schrieb ich sofort meiner
Gastfamilie und nahm Kontakt mit meiner Schule auf. Im Juli erhielt ich
dann auch einen Brief meiner Tutorin, die so nett war, mir die Adressen
von zwei zukünftigen Mitschülerinnen zu senden, mit denen ich nun schon
seit langem per E-Mail Kontakt habe. Ich werde in England die zwölfte
Klasse besuchen und nach einer neuen Regelung vier Leistungskurse wählen.
Meine Schule dort bietet eine wirklich breite Sparte von Fächern an, von
Theater über Psychologie bis hin zu Japanisch. Ich musste jedoch richtig
konservative Fächer wählen, da ich ja in Deutschland wieder in meine alte
Klasse gehen und dort in den Naturwissenschaften und Sprachen nichts verpasst
haben möchte. Also wählte ich als A-Levels Mathe, Physik, Französische
und Geschichte, ich weiß jedoch noch nicht genau, ob ich in alle Kurse
auch hineingekommen bin. Übrigens muss man in England meistens in der
Sixth Form (Oberstufe) an öffentlichen Schulen keine Schuluniform mehr
tragen, was ich im Gegensatz zu den anderen ein wenig schade fand, da
ich schon immer gerne mal eine getragen hätte! Da ich im August noch nichts
von meiner host family gehört hatte, entschloss ich mich, bei Partnership
anzufragen. Diese meldeten dies EEOP, welche sofort Kontakt mit meiner
Familie aufnahm. Ein paar Tage später erhielt ich endlich einen Anruf
von meiner Gastmutter, die total nett ist und mit der ich mich sicherlich
super verstehen werde. Es war wirklich toll, ihre Stimme zu hören. Von
ihr erfuhr ich auch, dass sie mir bereits vor Wochen geschrieben hat.
Diesen Brief habe ich jedoch nie erhalten. Schon vor zwei Wochen ist mein
Flugticket eingetroffen und ich zähle schon seit langem die Tage bis zum
3.9.!!! Ich bin mir sicher, dass ich in England eine tolle Zeit haben
werde. Jetzt geht es langsam ans Kofferpacken und Verabschieden. Alle,
die ebenfalls an einem Aufenthalt in England interessiert sind, können
gerne an milena.wolff@gmx.de schreiben, ich antworte bestimmt!!! Ich wünsche
allen, die ebenfalls den Schritt in ein fremdes Land wagen viel Glück
und eine erlebnisreiche Zeit! ...to be continued.. |
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