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Erfahrungsbericht Lukas Austauschjahr in Wisconsin Kurzinfo:
Inhalt:
Am 1. August 2006 bin ich mit der Gewissheit aufgestanden, dass ich heute für ein Jahr nach Argentinien aufbrechen werde. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir auch noch unsicher, ob ich jetzt glücklich oder traurig sein sollte. Schließlich kannte ich meine Gastfamilie nur von ein paar Photos und E-Mails. Außerdem konnte ich kein Wort spanisch und somit war meine Unsicherheit doch schon sehr groß. Andererseits jedoch war meine Vorfreude auch schon riesig, denn schließlich hatte ich mir schon viele Gedanken über mein kommendes Jahr gemacht, so dass ich auch gewisse Vorstellungen hatte. Mit gemischten Gefühlen also, trat ich dann endlich die lang ersehnte Reise ins Land der 6 Kontinente an. Nach einem dreitägigen Vorbereitungsseminar von
meiner Austauschorganisation YFU in Buenos Aires fuhr jeder einzelne Austauschüler
dann zu seiner Gastfamilie. Mein Weg führte mich im Bus (aufgrund
einer Eisenbahnkrise fahren nur noch vereinzelt Züge in Touristengebieten)
ca. 6 Std. Richtung Norden bis nach Paraná, der 250 000 Einwohner
großen Provinzhauptstadt, die auch am gleichnamigen Fluss liegt.
Sie sollte also für knapp ein Jahr mein neues zu Hause darstellen.
Dort angekommen wurde ich auch gleich total herzlich aufgenommen. Meine
beiden Gasteltern sowie Gastgeschwister (Ignacio 13 und German 17) integrierten
mich unglaublich schnell und schon nach kurzer Zeit war ich dann auch
als vollständiges Familienmitglied akzeptiert, mit den gleichen Rechten
und Pflichten wie meine beiden Gastbrüder. Der
erste Höhepunkt erwartete mich knapp eine Woche später als dann
mein langerwarteter erster Schultag in Argentinien anstand. Wie auch meine
beiden Gastbrüder besuchte ich die katholische Privatschule ,,La
Salle", in welcher, wie auch in allen anderen Schulen, das Tragen
einer Schuluniform Pflicht war. Der Unterricht fand immer in Doppelstunden
zu je 40 min statt. Um 7,15 Uhr musste ich in der Schule sein. Denn dann
wurde vor allen Schülern die Nationalflagge gehisst und zeitgleich
dazu das Fahnenlied gesungen. In der Schule war ich dann anfangs erstmals
die große Attraktion, denn schließlich war ich der erste Austauschüler
seit über einem Jahrzehnt an meiner Schule. Als noch unbekannter
Ausländer wurde ich von Mitschülern belagert, die mich mit Fragen
löcherten. Und das, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt kaum ein Wort
verstand. Meine ersten Unterhaltungen bestanden dementsprechend auch aus
einem Mix aus Spanisch und Englisch. Fußball, Mate und unübertroffene Lebensfreude Ich fand sehr schnell neue Freunde, was jedoch bei der Offenheit der Argentinier kein großes Problem darstellte. Außerdem trat ich in einen Fußballclub ein (was ich übrigens nur jedem empfehlen kann). Denn nur wer sich von der argentinischen Fußballbegeisterung anstecken lässt, wird erst richtig einen Teil der dortigen Kultur zu verstehen bekommen. Fußball ist in Argentinien mehr als nur eine einfache Freizeitbeschäftigung, sondern eine Leidenschaft, man könnte fast schon behaupten, Fußball ist dort die einzige Sache, die wirklich ernst genommen wird, und bei der die Argentinier keinen Spaß verstehen. Auch lernte ich bald das Nationalgetränk Argentiniens kennen und lieben, den Mate-Tee. Das ist eine Grünteeart, die aus einer Kalebasse mit einem Silberstrohhalm (bombilla) getrunken wird - und das zu jeder Tageszeit. Jeden Sonntag gab es dann auch noch das weltberühmte Asado zu essen. Als Asado wird das Grillen, meist Kilo schwerer Rinderstücke bezeichnet, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Neben einem stets warmen Mittagessen ist es in Argentinien auch üblich, nachmittags, nach einer ausgiebigen Siesta, sich noch einen Kaffee und dazu Gebäckstücke zu leisten, um damit den Hunger bis zum späten Abendessen (nach 22.00 Uhr) zu überbrücken. Da das dann meistens sehr groß ausfällt, ist man gewohnt, nur sehr wenig zum Frühstück zu sich zu nehmen. Meine Freizeit verbrachte ich fast immer zusammen mit meinen Freunden. Wir trafen uns im Park zum Mate trinken oder Truco spielen (argentinisches Kartenspiel). Oft haben wir auch einfach nur zahlreiche Runden im Auto gedreht, um zu sehen, was in der überschaubaren Kleinstadt denn so alles los ist. Abends ging ich dann meistens aus zum Feiern. Entweder ging es in die Disko, oder man traf sich in irgendeinem Haus, wo man bei der ersten Gelegenheit auch gleich zu tanzen anfing. Langweilig wurde es einem jedenfalls nie, denn die Argentinier finden immer einen Grund zu feiern und stecken einen mit ihrer unglaublichen Lebensfreude einfach an. Als dann im Dezember auch noch die
drei Monate langen Sommerferien anstanden, waren der Freude keine Grenzen
mehr gesetzt. Nur die Hitze machte es einem bei über 40 Grad Celsius
schon mal zu schaffen und Unterricht gleich unmöglich. Strand und
Schwimmbad sorgten für Abkühlung. Außerdem gab es noch
Tereré zu trinken. Das ist ein Mate, nur dass er anstatt mit heißem
Wasser, mit kühlem Saft getrunken wird. Ein unvergesslicher Höhepunkt
meines Austauschjahres stellte für mich Weihnachten bei knapp 40
Grad Celsius dar. Ich verbrachte den Tag zu Hause bei meiner Gastfamilie,
wo um punkt 24 Uhr die Bescherung anstand. Danach gab es ein großes
Feuerwerk. Nach der Familienfeier, traf sich dann jeder einzelne noch
mit seinen Freunden, um die Nacht durchzufeiern. Der religiöse Hintergrund
stellt dabei, trotzt des sehr hohen Anteils christlicher Bevölkerung
(99%), überraschenderweise jedoch nur eine Nebenrolle dar. Außerdem
nutzte ich die Sommerferien zum Reisen. So bin ich mit meiner Gastfamilie
für zwei Wochen nach Brasilien (Florianopolis) gefahren, wo ich das
Glück hatte, Neujahr am Strand bei über 30 Grad zu erleben.
Des Weiteren habe ich mit meiner Austauschorganisation eine Rundreise
in den Norden Argentiniens unternommen, die mich u.a. zu den beeindruckenden
Wasserfällen von Iguazú, sowie in den überwältigen
Nordwesten Argentiniens geführt hat, wo ich in den Genuss des Karnevals
kommen durfte. Die letzten Monate waren dann einfach
unbeschreiblich. Ich konnte mittlerweile schon fließend spanisch
und kam auch dementsprechend gut in der Schule zurecht. Die Zeit verging
wie im Flug - und schon stand der Abschied an. Als ich etwa zwei Monate
vor Abreise meine Flugdaten erhielt, konnte ich meine Tränen kaum
verdrängen. Und als dann 11 Monate nach meiner Ankunft der Tag der
Rückreise angekommen war, brachen alle Dämme. Meine argentinische
Familie sowie meine zahlreichen Freunde, die ich so ins Herz geschlossen
hatte, begleiteten mich zum Busbahnhof, wo dann der Augenblick gekommen
war, vor dem ich mich lange Zeit so gefürchtet hatte - |
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