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Erfahrungsberichte
Mit freundlicher Genehmigung der Zeitung Berliner Morgenpost
- Redaktion Jugend.
Heimweh nach der Ferne Von Luise Wunderlich (18) Mein Austauschjahr in Colorado Springs, Colorado ist so schnell vergangen. Es scheint, als wäre ich noch gestern in meine amerikanische Schule gegangen, hätte mit meinen Gastgeschwistern einen Kürbis für Halloween ausgehöhlt und mit meiner Gastmutter beim Abwaschen vor dem Fernseher herumgealbert.
Meine elf Monate in den USA sind einfach nur vorbeigerast. Und jetzt sitze ich wieder hier in Deutschland, und kämpfe mit «Heimweh». Verrückt! Austausch über den Austausch: Luise (18), im vergangenen Sommer aus den USA zurückgekehrt, berichtet Felix (15) über ihre Erfahrungen. Foto: Neubauer Dieses letzte Jahr gehört bestimmt mit zu den aufregendsten und erlebnisreichsten Jahren meines Lebens. Diese elf Monate haben mich sehr verändert und geprägt - in einer Weise, die ich nicht missen möchte. Die Ankunft am Flughafen, die ersten spannenden zwei Wochen vor dem Schulbeginn waren auch eine Zeit der Angst und der Unsicherheit. Würde ich diese verflixte Sprache irgendwann einmal verstehen und wirklich sprechen können? Würde dieses Gefühl des Fremdseins vorbeigehen? Glücklicherweise verstand ich mich sofort mit meiner Gastfamilie, die mir von Anfang an das Gefühl gab, geliebt und ein Teil der Familie zu sein. Doch, oh Schreck, da war ja auch noch die Schule! Mein erster Schultag war ein Gemisch aus Panikgefühlen, gestotterten Gesprächen, sich komisch und fremd vorkommen und Orientierungslosigkeit. Die Leute wuselten ständig durcheinander und wie, verdammt noch mal, funktionierte diese blöde Schließfachkombination? Als ich endlich wieder zu Hause war, heulte ich erleichtert los. Der erschreckende und trotzdem unheimlich aufregende erste Schultag war überlebt! Im Laufe der nächsten Monate gewöhnte ich mich langsam an das Durcheinander der Schüler, der Lehrer und Klassenräume. Auch die Marching Band, unter der ich mir am Anfang ein normales Orchester vorgestellt und die sich dann als «Marching» Band im wörtlichen Sinne entpuppt hatte, erschien mir nach einer Weile nicht mehr so fremd. Und nach einer ersten Flut von neuen Gesichtern und Namen zeichneten sich hier und da klarere Konturen von jungen Leuten ab, die mir jeden Tag mit einem freundlichen Lächeln entgegen kamen und die ich nach und nach immer mehr kennen und schätzen lernte. Langsam, langsam kehrte der (amerikanische) Alltag ein. Bis Weihnachten hatte ich das Gefühl, mich ein bisschen eingelebt zu haben. Ich war ein akzeptierter Teil meiner amerikanischen Gastfamilie geworden, ich besaß einige gute Freunde und auch in die Sprache war ich irgendwie, ohne lange darüber nachzudenken, «reingeflutscht». Doch dann, oh weh, kam Weihnachten. Ein Weihnachten ohne Schnee, mit einem Plastikweihnachtsbaum und elektrischen Kerzen. Wo waren die Plätzchen? Wo blieben die Dominosteine, Nüsse und die Weihnachtspyramide? Ich begann, meine Eltern, meine Freunde, einfach die ganze gemütliche Atmosphäre, die sich um Weihnachten herum meistens einstellt, ziemlich zu vermissen. Dieser Abschnitt des Jahres und auch Silvester gehörten zu meiner Heimwehzeit während meines Auslandsaufenthaltes. Ab dann begann die Zeit zu fliegen. Die nachfolgenden sechs Monate waren, wenn auch immer gemischt mit einigen Ups und Downs schlichtweg wunderbar! Ich fühlte mich rundum wohl in meinem zweiten Zuhause, in meiner neuen Welt. Und Deutschland rückte immer mehr in die weite Ferne. Die Tatsache, dass ich im Juni wieder nach Hause fliegen musste, traf mich total unvorbereitet. Warum sollte ich nach Hause fliegen? Auf eine bestimmte Art und Weise war und fühlte ich mich hier, in Colorado, zu Hause. Ich versuchte, die letzten verbleibenden Wochen in vollen Zügen zu genießen, alles ganz in mich aufzusaugen. Ich konnte es nicht fassen, dass mein Austauschjahr schon fast vorbei war! Eines der letzten, größten Ereignisse war meine «Graduation», mein High-School-Abschluss. Ich trug einen weiten Umhang in den Schulfarben und diesen verrückten Hut mit der Bommel dran und fühlte mich für einen kurzen Augenblick wirklich erwachsen. Ich hatte ein ganzes Jahr in einem fremden Land mit einer fremden Sprache in einer Familie aus mir unbekannten Menschen gelebt. Ich hatte mich sowohl mit Enttäuschungen, Angst und peinlichen Situationen auseinandersetzen müssen, als auch spontane Freundlichkeit, Liebe und Wärme erlebt. Wenn ich jetzt hier sitze und über all die Veränderungen nachdenke, die dieses Austauschjahr für mich gebracht hat, sehe ich vor allem diese drei: Mut, Aufgeschlossenheit und Selbstakzeptanz. Ich habe in dieser Zeit unheimlich viel über mich selbst und meine Fehler und Vorzüge erfahren. Ich weiß jetzt, wo einige meiner Grenzen liegen und dass ich, wenn es darauf ankommt, selbstständig und unabhängig sein kann. Und vor allem die Erfahrung, dass ich, so wie ich bin, geliebt und akzeptiert worden bin, hat dieses Jahr zu einem der schönsten und einzigartigsten überhaupt gemacht. |
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