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Erfahrungsbericht Julia's Jahr in Ferris Kurzinfo:
Inhalt:
Schon seit der 6. Klasse hatte ich den Traum ins Ausland
zu gehen, bestärkt vor allem durch meinen Cousin der zu dieser Zeit
ein Jahr in Idaho verbrachte. Doch alles schien noch so weit entfernt
und wirklich ernst hatte mich, glaube ich, auch keiner genommen. Also
war meine Idee erst einmal auf Eis gelegt. Doch drei Jahre später
wurde das Thema noch einmal aufgerollt, denn meine ein Jahr ältere
Cousine plante ihre Bewerbung für ein Auslandsjahr in den USA. Somit
wurde auch ich wieder in meiner Idee bestärkt und begann, mich mehr
und mehr mit dem Thema zu beschäftigen, obwohl ich damit nicht gerade
auf begeisterte Verwandte stieß. Meine Oma meinte immer nur, das
sei nichts für Mädchen, denn es ist viel zu gefährlich
so alleine und auch bei meinen Eltern hielt sich die Begeisterung in Grenzen
- obwohl zu mindestens meine Mutter versuchte, mich zu verstehen. So versuchte
ich also überall etwas über ein Austauschjahr im Ausland zu
erfahren und wurde so immer mehr in meiner Meinung bestärkt, ein
Jahr im Ausland verbringen zu wollen. Als ich dann auch endlich meine
Eltern davon überzeugen konnte, ging es darum mich zu entscheiden,
wo es denn eigentlich hin gehen sollte. Während meine Eltern Länder
wie Spanien, Frankreich und Großbritannien wegen der schnellen Erreichbarkeit
bevorzugten zog es mich eher in Länder wie die USA, Südafrika,
Brasilien und Australien. Australien fiel schon mal wegen des hohen Preises
weg. Brasilien hätte mir eigentlich ganz gut gefallen, doch verließ
mich etwas der Mut bei dem Gedanken, dass ich kein einziges Wort portugiesisch
spreche. Im Nachhinein ein ziemlich dummer Grund, aber eigentlich wollte
ich in ein englisch sprechendes Land. Also blieben die USA und Südafrika.
Meine Eltern vereinfachten mir die Entscheidung, denn Südafrika gefiel
ihnen definitiv nicht, denn sie meinten, dass es dort viel zu viel Kriminalität
etc. gäbe und es viel zu gefährlich ist. Nun gut.. was blieb
also?? Richtig, die USA. Also folgte ich dem Vorbild meines Cousins und
meiner Cousine und entschied mich für die USA, welches von Anfang
an schon mein Favorit war, denn ich interessierte mich unheimlich für
die Kultur und die Menschen dort. Ende Sommer 2002 begann ich, mir Unterlagen
von verschiedenen Organisationen zu beschaffen. Nachdem wir alle durchgeschaut
hatten, waren meine Mutter und ich uns einig, dass uns dir Unterlagen
von GIJK (jetzt AIFS Germany) am besten gefielen. Also bewarb ich mich.
Nur eine kurze Zeit später erhielt ich auch schon eine Einladung
für ein Interview. Ich war unheimlich aufgeregt, denn ich wusste
nicht wirklich, was mich erwartete. Um so erstaunter war ich dann, dass
meine Interviewerin anfing, sich mit mir auf Englisch zu unterhalten.
Im nachhinein war ich froh, dass ich das nicht wusste, denn ich wäre
wahrscheinlich noch viel aufgeregter gewesen. Alles im allem war es aber
kein Problem und nach einem Gespräch von etwa einer Stunde und einigen
formellen Dinge sagte mir meine Interviewerin, dass sie mich für
geeignet hält und sie davon ausgeht, dass ich in schon wenigen Tagen
eine Zusage erhalten werde. So war es dann auch und schon kurze Zeit danach
kamen die ganzen Unterlagen, die ich nun ausfüllen musste. Zum Glück
gab es auch eine sehr umfangreiche Hilfe dazu, so dass es relativ schnell
ging, alles auszufüllen. Nun hieß es also warten! Ich hatte
mir viele Erfahrungsberichte durchgelesen und wusste, dass ich nicht allzu
schnell auf eine Gastfamilie hoffen brauchte, schließlich war es
auch erst Anfang Oktober, als wir meine Unterlagen wegschickten. Eine Gastfamilie, oder doch nicht? Es war erst Anfang Januar und mein Vater holte mich an
diesem Tag von der Schule ab, als er mich fragte, in welchen Staat ich
denn gerne kommen würde. Ich kapierte nicht ganz, warum er mich das
eigentlich fragte, aber ich sagte ihm schließlich, was denn für
mich so die "Lieblingsstaaten" sind. Ich hatte natürlich
keine hohen Erwartungen wo ich nun hinkommen sollte, weil ich ja auch
wusste, es ist ein Austauschjahr und kein Urlaub und im Grunde sei es
ja auch nicht wichtig, aber meine Gedanken hatte ich mir natürlich
schon gemacht. Schließlich fragte mein Vater mich, was ich denn
von Texas halten würde. Als er mir dann schließlich eröffnete,
dass schon eine Gastfamilie für mich gefunden wurde, war ich ganz
aus dem Häuschen. So schnell hatte ich wirklich nicht damit gerechnet.
Ich sollte also zu einem noch recht jungen Ehepaar kommen (Lori und Joseph),
die einen kleinen 5 jährigen Sohn haben und mexikanischer Abstammung
zu sein schienen. Auf der von AIFS mitgeschickten Karte konnte ich auch
sehen, dass sich die kleine Stadt Cleburne, in der sie wohnten, nur ca.
30 Milen südlich von Dallas befand. Ich war total happy. Endlich
hatte ich eine Gastfamilie und in der Nähe einer großen Stadt
wohnten sie auch noch. Noch am gleichen Tag schickte ich meiner neuen
Familie eine E-mail. Meine Hostmom schrieb auch gleich zurück und
sie schien sehr nett zu sein. Nebenbei erfuhr ich, dass sie im Moment
eine deutsche Austauschschülerin aus Bremen hatten. Wir schrieben
uns noch vier bis fünf Mal, bis ich erst einmal nichts mehr von ihnen
hörte. Ich vermutete, dass sie wahrscheinlich einfach nur viel zu
tun hatte und ich nahm mir vor, sie anzurufen, wenn sich nach den Winterferien
noch keiner gemeldet hatte. So ging es erst einmal in meinen vorerst letzten
Skiurlaub für zwei Jahre. Doch auch als ich wieder zu Hause war,
hatte ich noch keine E-mail. Ich wunderte mich schon ein wenig, doch schon
den nächsten Tag bekamen wir einen Anruf von meiner Organisation,
dass ich eine neue Gastfamilie habe. Ich war zugegeben etwas verwundert.
Was war mit Lori und Joseph? Meine Organisation erklärte mir, dass
sie Probleme mit ihrer Austauschschülerin haben und auch irgendwie
umziehen müssten, so dass sie mich nicht mehr nehmen könnten.
Also so richtig weiß ich den Grund bis heute nicht, denn meine Hostmom
hätte mir das ja wenigstens schreiben können, statt sich dann
einfach nicht mehr zu melden. Es war jedoch nicht lange Zeit, darüber
nachzudenken, denn ich hatte ja schließlich schon meine neue Gastfamilie.
Eigentlich hätte ich gar nicht geglaubt, es hätte noch besser
kommen können, doch meine neue Gastfamilie schien echt perfekt. Meine
neue Gasteltern sollten nun also Sheryl und Ben sein, ein Ehepaar in den
40ern, mit drei Töchtern (26, 24 und 23), von denen aber nur noch
die jüngste zu Hause wohnte, und einer adoptierten Tochter in meinem
Alter, bei der es sich um die Nichte meiner Gasteltern handelte. Mein
neuer Wohnort für ein Jahr hieß nun Ferris, welcher sich ca.
10 Milen südlich von Dallas befand. Cool dachte ich, denn ich als
Einzelkind hatte mir schon immer Geschwister gewünscht. Außerdem
sagten die Unterlagen, dass meine Gastfamilie mehrere Pferde und zwei
Hunde besitze. Schon den nächsten Tag hatte ich eine Mail bekommen,
von meiner Gastmom. Ich erfuhr, dass sie eine brasilianische Gastschülerin
und eine Deutsche haben. Meine Gasteltern nahmen schon seit siebenJahren
jedes Jahr Gastschüler auf!! Wir telefonierten und schrieben uns
täglich und es schien echt alles perfekt zu sein, denn ich verstand
mich super mit allen. "Die Amis kommen" und Vorbereitungen bis zum Abflug!
Im Mai eröffnete mir meine Gastmom, dass sie mit ihrer Austauschschülerin, die ja schon im Juni zurück nach Deutschland musste, nach Deutschland fliegen wollte um ihre ganzen ehemaligen deutschen ATS zu besuchen und natürlich auch mich zu sehen. So kam es, dass ich ca. zweiWochen bevor ich in die USA fliegen sollte, meine Gastmom und meine gleichaltrige Hostsis Vanessa kennen lernte. Sie kamen für ein paar Tage zu mir nach Hause. Ich war natürlich unheimlich aufgeregt aber es war echt super. Ich verstand mich mit ihnen sehr gut. Nur noch zwei Wochen bis es endlich so weit war und ich hatte noch so viel zu tun Ich hatte ja schon so einiges über Texas gehört und deswegen war ich mir nicht mehr so sicher, ob meine freizügige Sommerbekleidung und mein Bikini das richtige im konservativen Texas sei. Also kaufte ich vorsichtshalber noch einen Badeanzug, nicht wissend, dass ich ihn nie tragen werde. Die Zeit bis zu meinem Abflugtermin verging ziemlich schnell. Ich packte meine Koffer, schmiss eine Abschiedsparty für Freunde und Familie und war am Morgen des 4. Juli nun endlich bereit, meine große Reise anzutreten! Abschied von der Familie und Ankunft in New York Eigentlich war ich überhaupt nicht aufgeregt und
es gab auch keine Spur von Traurigkeit, aber zugegeben, es war sehr hart
als ich mich von Großeltern und Eltern verabschieden musste und
Menschen, die ich nie zuvor weinen sah, weinten! Jedoch besserte sich
meine Stimmung schnell als ich gemeinsam mit fünf weiteren Austauschschülern
meiner Organisation den Sicherheitsbereiches des Flughafen Berlin-Tegel
betrat. Gemeinsam flogen wir nach Frankfurt, wo wir die anderen Austauschschüler
meiner Org, die aus allen Ecken in Deutschland kamen, treffen sollten,
um dann gemeinsam nach New York zu fliegen. Ich schätze, wir waren
rund 100 Austauschschüler, die sich gegen Mittag in dem Flieger nach
New York JFK befanden. Schon zwei Tage später ging es gemeinsam mit fünfanderen Austauschschülernüber Chicago nach Dallas. Darunter war auch Chrissi, die zukünftige Gastschülerin meiner Hostmoms besten Freundin und Nachbarin, die uns später mit ihrem Mann vom Flughafen abholen sollte, denn meine Hostmom befand sich noch für einen weiteren Tag in Deutschland und mein Dad musste arbeiten! Das erste, was mir auffiel als ich in Dallas aus dem Flugzeug stieg, war die min. 40°C heiße Hitzewelle, die uns entgegen kam und das nächste war auch schon Jimmie, Chrissis Hostdad. Er war riesig groß, ziemlich kräftig und hatte einen Cowboyhut und Boots an eben so wie ich mir einen Texaner vorgestellt hatte. Kaum hatten wir das Gepäck, ging es mit dem riesigen Dodge Truck auf die Dallas Highways in Richtung Ferris. Ich glaube, erst da habe ich so richtig begriffen, wo ich bin und dass ich für die nächsten 10 Monate eine Texanerin sein sollte. Es stellte sich schnell heraus, dass ich mit meiner Texas Family super klar kam. Alle waren total nett, auch wenn ich zu Beginn meine Probleme hatte, den texanischen Dialekt zu verstehen. Am besten war natürlich, dass meine Family total riesig war und es eine Weile dauerte bis ich die Familienverhältnisse genau verstanden hatte. Meine Mom hatte ihren eigenen Day-Care zu Hause, so dass tagsüber in der Woche immer was los war. In Germany hatte ich kaum mit kleinen Kindern zu tun, doch während meines Jahres lernte ich Windeln wechseln, Flaschen aufwärmen, unartige Kinder in die stille Ecke schicken und ich fand Gefallen daran. Mein Daddy war eher still. Er arbeitete viel, so dass ich ihn in der Woche selten zu Gesicht bekam. Meine beiden ältesten Gastschwestern lebten ganz in der Nähe, die eine auf dem gleichen Grundstück, die andere im Nebenort, sodass ich sie oft sah und auch viel Zeit mit ihnen und deren Kindern verbrachte. Meine gleichaltrige Sister Vanessa ging auf die gleiche Schule und Klassenstufe. Durch sie lernte ich schnell viele Leute kennen und obwohl sie recht schwierig sein konnte, habe ich mich gut mit ihr verstanden. Alles in allem war immer was los und ich hatte nie Langeweile. Besonders gut gefielen mir natürlich auch die Pferde, die meine Family besaß. Ich war schon immer Pferdeverrückt und freute mich um so mehr, wenn wir auf Versteigerungen, so genannte "Horse Sales" gefahren sind.
Ferris High School war eigentlich nicht besonders riesig,
aber auch nicht klein. Der Unterricht ging von 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr
und nach der 4th periode hatte ich 40 Minuten Lunch. Meine gewählten
Fächer waren Anatomy, Choir, English III, Athletics, Algebra II,
US History und Frensh II, im ersten Halbjahr Spanish I. Nach einer kurzen
Eingewöhnungsphase war es kein Problem mehr, gute Note zu schreiben,
obwohl Anatomy bis zum Schluss eine gewisse Herausforderung blieb wegen
all der neuen Wörter, die ich noch nie im Leben gehört hatte.
Choir war ganz witzig, wir sangen die ganze Zeit, und bei Baseball- und
Footballgames sangen wir die Nationalhymne vor der ganzen Schule. Das
wohl schwerste Fach war aber Athletics. Gegen meine Erwartungen hauptsächlich
kräftigere Amerikaner anzutreffen, stieß ich in der 4th periode
auf ca. 40 sportbegeisterte und sehr trainierte Mädels. Trotzdem
ich mich eigentlich immer für sportlich hielt, rannten mir viele
bei der Meile einfach davon. Besonders am Anfang war der Sportunterricht
ziemlich hart. Da war wirklich jeden Tag harte Arbeit angesagt und nicht
wie hier an meiner deutschen Schule ein bisschen spielen oder Geräteturnen.
Wir mussten die Meile rennen, oder 3 Meilen, danach dann ein umfangreiches
"Jump Program" bestreiten und dann noch ein paar Bauchübungen
oben drauf. Außerdem ging es oft in unseren Fitnessraum, wo wir
Krafttraining machen mussten. Wenn man sich jedoch erst einmal dran gewöhnt
hatte, hatte es unheimlich großen Spass gemacht auch wenn es nach
wie vor noch sehr anstrengend war. Zudem war ich im ersten Schuljahr in
Cross Country (Langstreckenrennen). Das hieß früh um 6 Uhr
zur Schule und Renntraining und außerdem fast jedes Wochenende ein
Wettkampf. Im zweiten Halbjahr spielte ich Tennis, was wir sehr großen
Spass machte und ich lief im Track Team. Freunde zu finden war zwar gar
nicht so leicht wie ich dachte, doch nach einiger Zeit überwand ich
meine Anlaufschwierigkeiten und ich fand sehr viele liebe Freunde.
Vieles in den USA und vor allem in Texas war gegen meine
Erwartungen anders als ich es dachte. Statt Wüste und Cowboys erwartete
mich vielmehr Stadtflair, Shopping ohne Ende und moderne Texaner. Statt
der prüden Texaner eher ziemlich aufgeschlossene Menschen mit denen
ich über alles reden konnte und die weder besonders konservativ noch
prüde waren. Statt strenger Schuluniform oder "Dresscode"
eher "leicht" angezogene texanische Girls. Statt dicker Amerikaner,
Amerikaner die mir in der 1 Meile davon rannten und statt ewig Fastfood,
leckeres Gemüse und selbst gekochtes Abendbrot. Natürlich gibt
es bei allem auch Ausnahmen, genauso wie auch hier in Deutschland, doch
habe ich genauso gelernt wie viele Vorurteile es gibt. Natürlich
ist es eine andere Kultur an die man sich erst gewöhnen muss und
die manchen Menschen eben gefällt und manchen auch nicht. Mir persönlich
hat es unheimlich gut gefallen und der Abschied von meiner Family fiel
mir sehr schwer. Vor allem weil ich auch einen sehr lieben Freund gefunden
habe, mit dem ich inzwischen seit einem Jahr und 3 Monaten zusammen bin
(04/24/05) und der mich auch Weihnachten hier in Deutschland besucht hat.
Jetzt im Nachhinein, fast ein Jahr nachdem ich wieder aus den USA zurück
kam würde ich für kein Geld der Welt mein Jahr rückgängig
machen. Es war das bisher beste Jahr in meinem Leben und ich bereue keine
Sekunde dass ich es gemacht habe. Ich hatte natürlich sehr viel Glück,
dass meine Familie einfach so super zu mir gepasst hat und ich kein Heimweh
bekommen habe, denn es kann natürlich auch anders kommen. Ich empfehle
auf jeden Fall jedem der darüber nachdenkt ein Jahr im Ausland zu
verbringen, egal wo, es zu tun, denn es ist eine super Erfahrung für
das ganze Leben, die ich nie missen möchte! Don't dream your life
BUT live your dream!!!
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