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Erfahrungsbericht Hella's Austauschjahr in Jacksonville Kurzinfo:
Inhalt:
Hallo, ich heiße Hella Dorothea Bürger, bin 15 Jahre alt und wurde am 2.11.1984 in Hannover geboren.
Seit drei Jahren lebe ich mit meinen Eltern, meinem Bruder, meinen vier Schwestern und meiner Labradorhündin in einem Dorf namens Ferndorf in der Nähe von Siegen. Das ist eine kleine Stadt im Süden von Nordrhein- Westfalen. Meine Hobbies sind Aerobic, joggen und meine Freunde treffen. Ich gehe sehr gerne unter Leute und bin immer gerne in Aktion. Ab und zu brauche ich natürlich auch meine Ruhephasen, aber Abwechselung und vor allem neue Dinge auszuprobieren ist doch immer wieder schön. Ich habe die 10. Klasse des Gymnasiums Stift Keppel erfolgreich abgeschlossen und bin mit dem jetzigen Verlauf meines Leben wirklich zufrieden. Momentan habe ich das Gefühl mitten in der Blüte meines Lebens zu stehen und bin daher bestens dafür gewappnet die kommenden beinahe 11 Monate in einem fremden Land, unter fremden Menschen und mit fremden Gebräuchen und Sitten zu verbringen........ Eigentlich war es reiner Zufall, dass ich hörte, wie eine Klassenkameradin zum Anlass einer Informationsstunde über Auslandsaufenthalte darüber erzählte, dass sie etwas davon gehört hätte, dass man von der Regierung ein Stipendium bekommen könnte. Da wurden meine Ohren natürlich sofort spitz. Es war doch schon soooo lange ein großer Traum einmal für ein Jahr in ein fremdes Land zu gehen. Aber aus finanziellen Gründen blieb es bis dahin nur ein Traum. Doch durch das PPP (Parlamentarische Patenschafts-Programm), wie ich dann von einem informierten Lehrer erfuhr, könnte es sehr bald ganz anders werden. Durch den besagten Lehrer bekam ich die Broschüre des Bundestages mit der Bewerbungskarte, die in der Schule vorlag. Da das nicht in allen Schulen der Fall ist, kann man sie unter http://www.bundestag.de und bei den größeren Austauschorganisationen GIVE, YFU, Partnership International, EXPERIMENT und der Carl Duisburg Gesellschaft anfordern. Ich war sofort restlos begeistert von den Möglichkeiten, die der Bundestag bietet: Ein Vollstipendium für ein Schuljahr in den USA, Botschafter des Deutschen Bundestages, Patenschaft eines Bundestagsabgeordneten, besondere Vor- und Nachbereitung, ein Abschlusstreffen in Washington D.C. über drei Tage und die zahlreichen, eventuell wichtigen Kontakte für das spätere (Berufs-)leben. Ich füllte also die Bewerbungskarte des 17. Programmjahres aus (genaueres erfahrt ihr im Erfahrungsbericht von Pascal) und schickte sie schnellstens ab, denn der Bewerbungsschluss ist schon der 10. September. Um ehrlich zu sein, ich habe mir nicht sehr große Hoffnungen gemacht, schließlich werden jährlich nur 280 Stipendien an die Glücklichen von rund 10.000 Bewerbern vergeben. Das soll jedoch niemanden entmutigen es zu versuchen, denn es gehört auch eine gewisse Portion Glück dazu und vor allem zählt nicht der Notendurchschnitt, sondern vor allem die Persönlichkeit. Nicht lange später kamen dann die Bewerbungsunterlagen von GIVE e.V., die für meinen Wahlkreis zuständige Organisation. Diese Bewerbungsunterlagen beinhalteten einen Bewerbungsbogen, ein Selbstdarstellungsblatt und ein Gutachtenformular. In dem Bewerbungsbogen mussten unzählige Fragen, die hauptsächlich mit der eigenen Person und dem Auslandsaufenthalt zusammenhingen, beantwortet werden. Z.B. ob man in Vereinen oder Gruppen tätig ist, was für Hobbies man hat, ob man schon einmal an einem Schüleraustausch teilgenommen hat, was man sich von dem Jahr erhofft, was man für Gründe und Vorstellungen hat usw. Das Ganze kann jedoch noch auf Deutsch geschrieben werden, wie auch die Selbstdarstellung. Das ist ein zweiseitiger Aufsatz, den man ganz frei verfasst, in dem man über sich, seine Interessen, Abneigungen, Hobbies, seinen Charakter, seine Stärken und Schwächen und über alles, was man für wichtig über sich hält, erzählt. Zudem muss man einen seiner Lehrer/innen darum bitten, ein Gutachtenformular über einen zu erstellen, dass vom Lehrer in einem verschlossenen Umschlag direkt an die Organisation geschickt wird, ohne dass man es lesen kann. Weiter gings mit dem Vorstellungsgespräch Und so ging es weiter Am 25. Oktober 1999 fand das Vorstellungsgespräch in Düsseldorf statt. Obwohl eine starke Prüfungsatmosphäre herrschte und alle sehr aufgeregt waren, ging es doch recht locker zu. Die Prüfer bemühten sich wirklich uns die Angst zu nehmen. Zu Beginn musste sich jeder in zwei, drei Sätzen auf Englisch vorstellen und jeder trug sein vorbereitetes Kurzreferat über ein aktuelles politisches, gesellschaftliches oder kulturelles Thema innerhalb von (mit einer Stoppuhr gemessenen) vier Minuten vortragen. Anschließend wurde (immer noch auf Deutsch) ein wenig darüber diskutiert. Anschließend waren spontane Aktionen auf Englisch gefragt, wie z.B.: Stelle dir vor du stehst vor einer Fernsehkamera vor dem Weißen Haus und sollst ein kurzes Statement zu dem-und-dem Thema geben. Achtuuuung, sind auf Sendung.......... Danach folgte der lange schriftliche Test, der ausschließlich Englisch ist. Der Multiple Choice Test umfasste Fragen über die englische Grammatik und das Vokabular. Desweiteren wurden Fragen gestellt, die in ein paar Sätzen beantwortet werden mussten. Wie z.B.: Was ist der Unterschied zwischen dem Amerikanischen und dem Deutschen Schulsystem?, wie funktioniert das Deutsche Regierungssystem?, wie bist du aus einer Problemsituation herausgekommen, die du einmal erlebt hast?, was könnte dein Jahr im Ausland für deine Freunde und Familie bewirken?, wie würdest du dich auf ein Jahr in den USA vorbereiten? usw. Währenddessen fanden zehnminütige Einzelgespräche auf Englisch statt, in denen ebenfalls politische Dinge, wie: was ist der Unterschied zwischen dem Bundeskanzler und dem Bundespräsidenten? gefragt wurden. Es war mit Sicherheit auch sehr wichtig sich im aktuellen Zeitgeschehen auszukennen. Gute Vorbereitung war also gefragt. Alles in allem hatten alle hinterher das Gefühl total versagt zu haben, aber keiner konnte wissen, was denn in Zukunft geschehen würde. Mitte Januar wurde ich dann nach endlosem Warten von dem Bundestagsabgeordneten meines Wahlkreises besucht. Er teilte mir auch gleich mit, dass er mich nominieren wollte, ich also für ein Schuljahr in die USA gehen könnte. Da war die Freude natürlich groß..... Zwei Wochen später kam dann auch die Bestätigung von GIVE und so fingen die eigentlichen Vorbereitungen an. Die Zeit bis zum Abflug Nach dem Danksagungsbrief an meinen Bundestagsabgeordneten, dem Gespräch mit dem Returnee, der als mein Pate ausgewählt wurde (jeder bekommt einen Paten, der schon einmal mit dem PPP in den USA war) folgte das Ausfüllen der Application Form. Die bestand aus einem vierseitigen Formular, das auch gleich in vierfacher Ausfertigung auszufüllen war, einer Selbstbeschreibung in Form eines Briefes an die noch unbekannte Gastfamilie, einer vierseitigen und mehrfach kopierten Photocollage über sich selbst, seine Umgebung etc., Zeugniskopien, einem Gutachten eines Lehrers für die Amerikanische Schule, einem Gesundheitszeugnis und der Einsendung des Reisepasses, bzw. erst mal einer Kopie des Kinder-/Personalausweises, wenn der Reisepass noch nicht beantragt war. Die Zeit bis zu der Vorbereitungswoche Anfang Juni wurde mit zahlreichen Infobriefen zu den USA, Bräuchen, Sitten, zur Umrechnung in Fahrenheit, Meilen etc. gefüllt. Vom 4. bis 12. Juni fand dann das Vorbereitungsseminar in Berlin statt. Wir waren eine Gruppe von 30 Stipendiaten und lebten wirklich recht luxuriös. Wir teilten uns in vier Gruppen auf und bearbeiteten die Hälfte der Woche verschiedene Themen, zu denen wir uns die verschiedensten Dinge in Berlin ansahen. Dieser Teil endete mit einer Präsentation für die anderen Gruppen. Anschließend trafen drei Returnees und zwei Amerikanerinnen ein, um uns die restliche Zeit über ihre Erfahrungen, bzw. ihr Land zu erzählen und die restlichen Fragen zu klären. Da wir auch unheimlich viel Freizeit hatten und die Themen äußerst interessant waren, wurde die Woche für jeden der Stipendiaten zu einem unvergesslichen Erlebnis. Es war wirklich eine wunderschöne Woche, wie wir alle fanden. Wir halten nun durch Emails Kontakt und berichten uns laufend alle Neuigkeiten. Doch meine Zeit in Berlin hatte auch einen einzigen Haken. Die High School auf die ich kommen sollte, verlangte einen High School Test von mir, für den ich rund 2 ½ Stunden brauchte und der wirklich wahnsinnig schwer war. Die Betreuer sowie natürlich auch ich fanden das unmöglich, aber was sollte man machen..... Es dauerte dann bis zum 17. Juli, bis ich endlich die Zusage der Schule bekam und ich Informationen zu meiner Gastfamilie aus Jacksonville/ Florida bekam. Ich hatte angenommen, dass ich am 17. August fliegen würde, da die Termine für die sechzig Stipendiaten, für die GIVE zuständig ist, auf den 17. und 22. August gesetzt waren. Doch nach einem Anruf ein paar Tage später, stellte sich heraus, dass ich wegen einem frühen Schulanfang (15. August), schon am 9. August ohne die Stipendiatengruppe fliegen würde. So drängte die Zeit dann schon, doch zum Glück hatte ich wenigstens mein Visum, die Grundvoraussetzung für meinen Flug, schon erhalten. Ich hatte noch sooo viel zu tun. Ich musste noch einige Dinge besorgen, die ich unbedingt noch brauchte, wie einige Kleidungsstücke etc. Dann stellte sich bei mir natürlich auch die Frage der Gastgeschenke. Ich entschied mich für ein selbstgemachtes Fotoalbum über Deutschland, ein deutsches Kochbuch auf Englisch, zwei T-Shirts mit deutschen Sprüchen draufgedruckt und jede Menge Süßigkeiten..... Es konnte also losgehen...... Mitte Juli war es nach endlosem Warten schliesslich soweit. Der langersehnte Anruf kam...ich hatte eine Gastfamilie. Gary (41), Susan (40), Ashley (15), Christina (10), ein Hund, eine Katze (inzwischen sind es zwei und eine erwartet kleine Katzenbabys), ein Hamster und zwei Schildkröten sollten meine neue Familie sein. Natürlich war meine Freude riesig als ich hörte, dass ich fast ein Jahr in Jacksonville im "sunshine state" Florida verbringen würde. Eigentlich ist der Staat aber wirklich unwichtig, denn den Hauptteil des Lebens als Schüler in den USA bildet tatsächlich die Gastfamilie und die High School. Allerdings bereitete mir der Gedanke ein Jahr in den Subtropen in purem Sonnenschein zu verbringen doch besondere Vorfreude. Sobald die Adresse und die Telefonnummer eingetroffen waren, rief ich einfach mal an. Ich war furchtbar nervös und mein Gehirn war plötzlich unglaublich leer. Die Angst war jedoch ganz umsonst. Das Telefongespräch mit meinem Gastvater und das mit der ganzen Familie am nächsten Tag verliefen überraschend gut und meine Gastfamilie war mir von Beginn an unglaublich sympathisch. Zugegeben, ich war ein wenig skeptisch was den Wohnort angeht: mitten in einer 750000 Einwohner Stadt. Ich fand dann aber recht schnell heraus, dass sie wie auf einem deutschen Dorf leben. Ein Wohnviertel von rund 100 Einfamilienhäusern mit Garten. Geld: Meine Eltern gaben mir US$ 250 in Bar mit, damit
ich für den Anfang gut ausgerüstet war und ich mich nicht um
soetwas kümmern musste. Ausserdem habe ich Reisechecks im Wert von
US$ 250 pro Monat dabei, mit denen ich bis zum November auskommen muss.
Da ich im November 16 werde, kann ich von da an eine Kreditkarte verwenden.
Ich werde "Master Card", in Europa "Eurocard", bekommen, die Zweitkarte
von meinem Vater. Das ist wahrscheinlich die praktischste Lösung,
da man hier nahezu überall mit einer Kreditkarte bezahlen kann. Letzte Vorbereitungen, Gepäck, Abschied Im Endeffekt war dies wohl der schwerste Teil der Zeit
vor den USA... Der grosse Tag war da. Um 4 Uhr morgens musste ich aufstehen, duschen, frühstücken, das letzte in meinen Koffern verstauen und dann ging es um 5:30 Uhr auch schon los zum Frankfurter Flughafen. Dort wurde von Mitarbeitern von GIVE und einer Partnerorganisation noch einiges erklärt, dann mussten wir uns auch schon verabschieden, damit wir pünktlich um 10:05 mit der Lufthansa über den grossen Teich ins "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" fliegen konnten. Der Flug verlief ohne Probleme, allerdings warteten in Chicago 10 1/2 Stunden Wartezeit auf meinen Anschlussflug auf mich. Eigentlich sollten es "nur" 9 Stunden sein, wegen Pilotenstreiks bei United Airlines hatte das Flugzeug aber 1 1/2 Stunden Verspätung. Obwohl ich mit grossem Abstand die letzte der Gruppe war, die aus Chicago abflog, verging die Zeit wie im Flug. Allerdings brauche ich wohl nicht genauer zu erklären wie müde ich war, als ich um 1:30 Uhr schliesslich in Jacksonville, Florida ankam. Meine Gastfamilie und mein area representative waren mir sofort unglaublich symphatisch und das hat sich auch bis heute nicht geändert. Das Einleben war wesentlich einfacher für mich als erwartet. Sprachlich gab es eigentlich keine Probleme und auch in meiner Gastfamilie fühlte ich mich schnell wie zu Hause. In der Schule habe ich ganz schnell viele nette Leute kennengelernt, allerdings ist es etwas schwerer richtige Freunde zu finden, da man nicht in feste Klassen eingebunden ist. Meine Schule ist mit 1700 Schülern hier eine der kleinsten in einem weiten Umkreis. Trotzdem kommt mir die Schule wirklich riesig vor. Mein Unterricht beginnt um 7:15 Uhr, für gewöhnlich bin ich um 6:40 Uhr dort, was für mich bedeutet, dass ich um 5:30 Uhr aufstehen muss. Ich habe nur vier Fächer pro Tag, die alle neun Wochen wechseln, teilweise nur alle 18 Wochen. Jede Unterrichtsstunde ist ungefähr 1 1/2 Stunden lang. Das Niveau meiner Schule ist relativ hoch, allerdings nur nach amerikanischem Standard. Für mich ist die Schule sehr einfach und ich habe keine Probleme gute Noten zu schreiben. Allerdings verbessert die Regierung gerade das Schulsystem, weil sie eingesehen hat, dass dei USA in ihrer Bildung mit vielen Ländern nicht mithalten kann. Das merkt man auch in der Schule, denn die Anforderungen werden stetig erhöht. So werden von uns z.B. fünf Buchberichte innerhalb von vier Wochen verlangt, was auch für mich wirklich schwierig ist, denn die Zeit zum Arbeiten am Nachmittag ist sehr begrenzt. Die Schule dauert bis 2:15 Uhr, sodass ich gegen 2:45 Uhr zu Hause bin. Die Schulclubs und Sportarten finden im Anschluss an die Schule oder abends statt. Wenn ich an diesen Aktivitäten teilnehme (ich bin in zwei Schulclubs), können die Hausaufgaben bis in die Nacht dauern. Die Lehrer geben wirklich sehr viele Hausaufgaben auf und für gewöhnlich werden diese auch eingesammelt und zensiert. So wird die Schule neben der Gastfamilie der Hauptteil meines Lebens hier. Hier in Jacksonville gibt es nicht allzuviel für Jugendliche. Für gewöhnlich geht man ins Kino, in der riesigen Mall (Einkaufszentrum) shoppen, schwimmen, bowlen oder essen. Das Problem ist jedoch die Mobilität. Solange man keine Führerschein und kein Auto hat, ist man vollkommen auf Erwachsene angewiesen. dadurch fühle ich mich ehrlich gesagt ein wenig eingegrenzt, da ich Freiheit und Selbstständigkeit gewöhnt bin. Das gehört aber zum Leben amerikanischer Jugendlicher dazu und ist eine Erfahrung, die jeder Austauschschüler macht. Ungewöhnlich ist auch, dass meine Gasteltern, besonders mein Gastvater, möglichst die Leute mit denen ich weggehe erst kennenlernen möchte. Ich habe noch nicht mal die Erlaubnis mit jemandem im Auto nach Hause zu fahren, den meine Gasteltern nicht kennen. Anders als erwartet, haben sich die Gerüchte, dass Amerikaner unglaublich prüde sind, stärker bestätigt als ich jemals gedacht habe. Zum Beispiel würde mein Gastvater mir und meinen Gastschwestern nicht erlauben uns zu einem Date zu verabreden bevor wir 16 sind und wenn, müssten wir ihn erst nach Hause einladen, damit mein Gastvater ihn kennenlernen kann. Aber das ist einfach ein Teil des "way of life" der USA, den ich mit riesigem Spass täglich erlebe. ...to be continued... |
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