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Erfahrungsberichte

Vorher Von Felix Neubauer:
Das verflixte Austauschjahr
Nichts als Info-Stress! Und in Amerika ist anscheinend alles verboten
Nachher Von Luise Wunderlich:
Heimweh nach der Ferne
Elf Monate sind vorbeigerast - es waren die schönsten meines Lebens

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitung Berliner Morgenpost - Redaktion Jugend.
(Erschienen in der Zeitung "Berliner Morgenpost" am 29.01.2001)

 

Das verflixte Austauschjahr
Nichts als Info-Stress! Und in Amerika ist anscheinend alles verboten

Von Felix Neubauer (15)

Amerika - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Wohl kaum. Diesen Eindruck bekommt man jedenfalls, wenn man wie ich für einige Zeit in die USA gehen möchte und sich deshalb bei einer der vielen Austausch-Organisationen bewirbt. Da wird einem dann erzählt, dass man im Land der großen Freiheit ziemlich viele Sachen nicht machen darf. Wie zum Beispiel «sexy» Klamotten anziehen, nichts Bauchfreies bei Mädchen, Jungens müssen das T-Shirt immer in die Hose stecken, kein Piercing, keine Tattoos, keine gefärbten Haare.

Die Gasteltern, heißt es, sind meist ziemlich streng, man darf nie lange weg, muss megapünktlich zu Hause sein und darf sich als Junge nie allein mit einem Mädchen im Zimmer aufhalten, schon gar nicht bei geschlossener Tür. Man muss mit seiner Wortwahl aufpassen, darf keine Schimpfwörter benutzen, Widerrede ist strengstens verboten. Diskussionen unerwünscht, auch in der Schule. Rauchen sollte man sowieso nicht, jegliche Drogen sind tabu, sonst sitzt man schneller, als man wieder nüchtern oder klar ist, im Flieger nach Hause. Diese «Grundregeln» (zur Abschreckung?) gibt es von den meisten Organisationen.

Luise & Felix Austausch über den Austausch:
Luise (18), im vergangenen Sommer aus den USA zurückgekehrt, berichtet Felix (15) über ihre Erfahrungen.

Foto: Neubauer

Wer sich für ein Austauschjahr interessiert, geht zunächst wahrscheinlich zu einem Informationsabend. Dort hört man, was einen erwartet, welche Vorraussetzungen man mitbringen sollte (offen sein, selbstständig, tolerant), und was einem ein solcher Austausch bringen kann.

Und dann bekommt man die Bewerbungsunterlagen zugeschickt, was oft das erste Problem ist: Oft muss man bis zu 20 Seiten ausfüllen - auf Englisch. Jede Kleinigkeit wollen die wissen. Gewicht, Größe, ob man Vegetarier ist (lässt sich im Steak- und Hamburgerland schlecht vermitteln!), ob man allergisch gegen Tierhaare ist, sich gemeinnützig engagiert, einen Job hat und bei der Hausarbeit hilft.

Und dann muss man Sachen über sich beantworten, über die man sich bislang noch nie Gedanken gemacht hat (beschreibe drei deiner Charakterstärken, was deine Karrierepläne und was für Typen deine Eltern sind). Außerdem braucht man ein Gesundheitszeugnis und eine Beurteilung des Englischlehrers. Papierkrieg ohne Ende.

Ein High-School-Jahr kann man nicht einfach buchen wie eine Pauschalreise, man muss von der jeweiligen Austauschorganisation «ins Programm aufgenommen werden». Daher bitten sie dich auch noch zu einem persönlichen Interview. Dort wird gefragt, wieso man weg will (oft auf Englisch), und einem wird erklärt, was die jeweilige Organisation so anbietet. Wenn man dann angenommen ist, veranstalten manche Organisationen ein mehrtägiges Camp in Deutschland, manche bieten regelmäßige Treffen an oder geben Handbücher heraus, das ist ganz verschieden. Wie auch das, was angeboten wird: Bei den einen kann man in den USA z. B. einen Führerschein machen, bei anderen nur, wenn man ein ganzes Jahr geht, bei anderen geht dies wiederum gar nicht.

Genauso gibt es Unterschiede beim Verlängern von einem halben auf ein ganzes Jahr. Eine Organisation lässt das gar nicht zu, bei einer anderen ist das möglich, wenn aber auch nur bedingt und mit Problemen behaftet, eine dritte sagt, das wäre eine der leichtesten Übungen der Welt. Worin sich alle Organisationen gleich sind: Keine schickt einen dahin, wo man gerne hin möchte. Man kann also in der Wüste landen oder bei minus 30 Grad in Michigan, zwischen Maisfeldern oder irgendwo in Iowa. Wo man eben eine passende Gastfamilie findet. Wieso man die nicht gleich in Florida suchen kann, wo ich gerne hin möchte - keine Ahnung. Grundsätzlich gilt: eher Land als Großstadt. New York oder L.A. sollte man sich gleich abschminken.

Wo sich alle Veranstalter nichts tun, ist der Preis. Insgesamt beläuft sich das immer auf etwa 12 000 Mark für ein Jahr. Wenn man fragt, wofür das ganze Geld ist - denn die Gastfamilie bekommt ja nichts - sagen die Verantwortlichen, das ginge zum größten Teil für die Familiensuche drauf. Schlägt man aber selbst eine Gastfamilie vor, so verringert sich der Preis nur um 500 Mark.

Nachdem man sich noch mal genau überlegt hat, was eigentlich für diesen Austausch spricht, kommt man ins Grübeln und fragt sich, ob und wieso man überhaupt wegfahren sollte. Aber man möchte ja die amerikanische Kultur, das amerikanische Familienleben und das High-School-System kennen lernen (wie wir alle so schön brav beim Interview gesagt haben).

Obwohl: Der eigentliche Grund für dieses Jahr ist ja doch - wenn wir mal ehrlich sind - , mal weg aus diesem Alltagsleben und der Familie zu kommen. Einfach mal auf sich allein gestellt zu sein und sich selbst zu beweisen, was man alles drauf hat.


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