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Politische Betrachtungen
eines Austauschschülers
Die momentane Situation in Deutschland ist unangenehm,
besonders für die junge Generation. Das Durchschnittsalter der Kabinettsmitglieder
liegt weit über 50 Jahren, und die nötigen Reformen werden nicht
angepackt. Momentan befinde ich mich für ein Jahr zum Schüleraustausch
in den USA. Wenn ich meine Freunde frage, in welchem europäischen
Land sie gerne arbeiten würden, dann fallen fast alle Namen: Frankreich,
England, Niederlande, Luxemburg; aber Deutschland will nicht so richtig
in dieser Reihe auftauchen. Auf meine Frage "Warum?" kommen
meistens folgende Antworten: zu hohe Steuern, keine guten Möglichkeiten,
ein eigenes Unternehmen zu gründen. Wenn ich meinen Freunden von
unserem Sozial-, Steuer und Arbeitslosensystem erzähle, schütteln
sie immer nur verwirrt den Kopf. Auf der anderen Seite jedoch wollen sehr
viele Schüler einfach mal nach Deutschland reisen: wegen des Schnees,
des guten Essens und der netten Leute. Die Leute, mit denen ich gesprochen
habe, füllen gerade ihre Bewerbungen für die Universitäten
Harvard, Princeton oder das MIT aus, und viele würden auch gerne
im Ausland arbeiten oder studieren. Potenzial ist also da, denn die Leute
mögen unser Land. Ich bitte daher unseren Bundeskanzler, endlich
etwas für uns Jugendliche in unserem Land zu tun, damit wir die Verantwortung
von einem gesunden Staat übernehmen können.
(Quelle: Financial Times, 7. Januar 2003, Seite 26, von
Alexander Kosanke)
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