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Pisa-Studie: Deutschland im unteren Drittel hinter Nordamerika - Auslandsschuljahr attraktiver denn je?
Sylvia Schill (sys): Herr Thies, vor kurzem fürchteten deutsche Eltern noch um das Bildungsniveau ihrer Kinder, die ein Schuljahr in den USA verbrachten. Das hat sich seit der PISA-Studie geändert: Deutschland rangiert im unteren Drittel hinter Nordamerika. Was unternimmt Ihre Behörde dagegen? Prof. Dr. Erich Thies: Die KMK hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Zahlen einen konkreten Massnahmenkatalog verabschiedet. Beispielsweise soll die Sprachkompetenz bereits im vorschulischen Bereich verstärkt gefördert werden. Die Weiterentwicklung und Sicherung der Qualität von Unterricht und Schule soll auf der Grundlage von verbindlichen Standards und ergebnisorientierter Erhebung erfolgen - um nur zwei Punkte zu nennen. sys: Das ist vielen aber noch nicht genug: Unternehmen fordern von zukünftigen Mitarbeitern Mobilität, Mehrsprachigkeit und internationale Erfahrung. Wollen Schüler für ein Jahr ins Ausland, müssen sie in jedem Bundesland unterschiedliche bürokratische Hindernisse überwinden. Kann man das nicht vereinfachen? Sicher, aber Probleme ergeben sich meist nur, wenn ein längerer Schulbesuch im Ausland in die Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe fällt. Sonst ermöglichen nach meinen Informationen viele Schulleiter bei entsprechenden Leistungen den direkten Einstieg - das Schuljahr muß nicht wiederholt werden. Die KMK vermittelt übrigens kurzfristige Auslandsaufenthalte für Schülerinnen und Schüler durch den Pädagogischen Austauschdienst. In den letzten zwei Jahren waren das mehr als 30.000 Teilnehmer aus mehreren tausend Schulen. sys: Wirtschaftswissen spielt an deutschen Schulen eine untergeordnete Rolle. Schülerfirmen wie VIP2, die bis zu 30.000 EUR Umsatz machen, sind die Ausnahme. Andere Schulen verfügen nicht mal über ausreichend Computer. Wie will die KMK diese Misere beseitigen, um Schüler fit fürs Arbeitsleben zu machen? Misere ist ein starkes Wort! Die Länder fördern zunehmend wirtschaftliche Bildung an Schulen durch Projekte, Betriebspraktika und Kooperationen von Schule und Wirtschaft. Das beste Beispiel ist das Projekt "Junior" des Instituts der deutschen Wirtschaft sowie regionaler Partner: Hier gibt es viel Bewegung, bis hin zur Gründung von Schülerfirmen. Übrigens steht zur Zeit je 18 Schülern ein PC zur Verfügung, 50 % davon sind multimedia- und internetfähig. sys: Da ist ja noch Ausbaubedarf. Firmensponsoring an Schulen ist in den USA und anderwo an der Tagesordnung. Könnten Sie sich das auch als Lösung für Deutschland vorstellen? Zur Zeit noch nicht, da die ausschließliche Verantwortung des Staates für das deutsche Schulwesen dies so nicht zuläßt. Aber es gibt schon Projekte wie mit der deutschen Telekom: T-cl@ss-Medienecken mit jeweils vier vernetzten PC´s an 5.000 deutschen Schulen. Das muß natürlich mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag vereinbar sein und Werbung muß eindeutig im Hintergrund stehen. sys: Ein Blick über den Tellerrand erweitert oftmals den Horizont: Frankreichs Bildungsminister Jack Lang führte DVD-Kino und lebenslange E-Mail Adressen für alle Schüler und Lehrer ein. Können wir von anderen Ländern lernen? Sicher - so wie andere von uns. Beim IT-gestützten Lernen ist Deutschland zum Beispiel durch das Projekt "Schulen ans Netz" führend in Europa. Das Ziel, bis Ende 2001 allen staatlichen und staatlich anerkannten Schulen Internetzugang zu ermöglichen, erreichten wir schon vergangenen Oktober. sys: Wie soll dabei das Wissen der Lehrer auf den neuesten Stand gebracht werden? Der Leitspruch der 68er lautete: "Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren". Die lehren heute an den Schulen und wirken oft so verstaubt wie die Unis, die sie damals kritisierten. Da tun Sie den Lehren unrecht, die in der Regel auf hohem fachlichen Niveau und zum Teil in einem sehr schwierigen Umfeld arbeiten. Dennoch - wir haben die Qualitätsdebatten konstruktiv aufgegriffen: Etwa durch Erprobung neuer Erstausbildungsmodelle und der Stärkung des Fort- und Weiterbildungsbereiches. Die Sicherung und Fortentwicklung der Lehrerprofessionalität ist uns ein großes Anliegen. Das Gespräch führte Sylvia Schill für
die Financial Times Deutschland |
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